Schriftgröße     
17.11.2004
  

Für Geckos ist die Nacht bunt wie der Tag

Die Reptilien haben extrem lichtempfindliche Zapfen im Auge und können auch nachts Farben sehen


Nachts sind alle Katzen grau – nur nicht für Helmkopfgeckos. Wenn Menschen im Dämmerlicht nur noch Grautöne wahrnehmen, sehen die nachtaktiven Reptilien die Welt nach wie vor in ihrer ganzen Farbenpracht. Diese Fähigkeit ist bisher einzigartig für Wirbeltiere und selten in der gesamten Tierwelt: Bisher entdeckten Wissenschaftler nächtliches Farbensehen nur bei Motten.


Dem spektakulären Farbensehen der Geckos auf die Spur gekommen sind Forscher der Universität von Lund (Schweden). Die Forscher zeigten den Tieren im Dämmerlicht unterschiedliche graue oder blaue Schachbrettmuster und boten ihnen gleichzeitig Grillen zum Fressen an. Bei den grauen Mustern waren diese gesalzen und ungenießbar. Die Tiere bevorzugten nach kurzer Zeit klar die blauen Muster. Die Forscher hatten die Versuchsbedingungen dabei so gewählt, dass andere Lichtparameter von den Tieren nicht herangezogen werden konnten. Die Geckos konnten also eindeutig Farben sehen.

Normalerweise verzichten nachtaktive Tiere zugunsten einer höheren Lichtausbeute auf Farbe. Das hängt mit den zwei Typen von Photorezeptoren zusammen, über die das Wirbeltierauge verfügt: die so genannten Stäbchen, die auf jede Form von Licht reagieren, und die Zapfen, die mehr Licht benötigen und für das Farbensehen zuständig sind.

Das Auge braucht mindestens zwei, meist drei Zapfentypen, die jeweils auf ganz bestimmte Farben reagieren. Beim Menschen sind dies Rot, Grün und Blau, beim Helmkopfgecko Ultraviolett, Blau und Grün. Das Gehirn vergleicht die eingehenden Farbsignale aus dem Auge miteinander und bestimmt dadurch die gesehene Farbe. Fällt jedoch wenig Licht in das Auge, werden die Zapfen nicht ausreichend aktiviert und die Signale sind zu schwach, um sie miteinander zu vergleichen.

Hier springen dann die Stäbchen ein. Sie sind untereinander verbunden und hemmen oder verstärken sich gegenseitig: Helle Grenzflächen werden noch heller, dunkle Kanten noch dunkler. Im Dämmerlicht werden dadurch Kontraste verstärkt und Konturen besser wahrgenommen. Nachtaktive Tiere haben daher oft mehr Stäbchen als Zapfen und verfügen zudem über größere Pupillen und eine kurze Brennweite, um mehr Licht in das Auge zu lassen. [>>]