Naturstoffe wie Wildseide werden heute häufig noch mit Blauholz gefärbt. Foto: cm11, Photocase.com
Der Blauholzstrauch selbst sieht eher unscheinbar und so gar nicht nach einem kräftigem Farbstoff aus. Foto: Kurt Stueber, GNU Free Documentation License
13.05.2009
Färben mit Holz
Der mexikanische Blauholzbaum ist bis heute eine wichtige Quelle für Farbstoff
Holz als Lieferant von Farbe? Wer von europäischen Hölzern wie Buche, Fichte oder Eiche ausgeht, kann sich kaum vorstellen, dass sich aus Holz ein kräftiger, blauer Farbstoff herstellen lässt. Doch der mexikanische Blauholzbaum diente mehrere Jahrhunderte lang als wertvolle Quelle für Farbstoff und wurde tonnenweise nach Europa importiert. Bis heute werden aus dem Gewächs Farbstoffe gewonnen – trotz des großen Angebots billiger, synthetischer Substanzen.
Der Blauholzbaum – häufig auch Blutholzbaum genannt – wird bis zu zehn Meter hoch und trägt gefiederte Blätter. Sein schwach nach Veilchen duftendes Kernholz verfärbt sich beim Lagern rot. Dieses Holz enthält den Stoff Hämatoxylin – eine im reinem Zustand farblose bis beige Substanz, die sich beim Lagern durch Oxidation mit dem Sauerstoff der Luft jedoch in den eigentlichen Farbstoff Hämatein verwandelt. Um diese sogenannte Reifung zu beschleunigen, wird das Holz häufig fein geraspelt, so dass sich die Oberfläche vergrößert und mehr Sauerstoff an das Holz gelangen kann. Das Hämatein ist in Wasser löslich und kann durch Auskochen des Holzes erschlossen werden.
Der Farbton des so gewonnenen Farbstoffs lässt sich durch die Zugabe von Salzen beeinflussen. Wird beispielsweise Alaun zugesetzt, ergibt sich ein Blauton, Zinnsalze ergeben violett, Kupfer, Eisen und Chrom Schwarztöne. Das Blauholz wird entweder als geraspeltes Holz verkauft oder kommt als pulverförmiger Extrakt in den Handel.
Zum ersten Mal kam Blauholz um 1522 nach Europa, nachdem der spanische Konquistador Hernán Cortés Teile des heutigen Mexikos erobert hatte. Von dort, nämlich von der Halbinsel Yucatán, stammt der Baum ursprünglich. Im 17. und 18. Jahrhundert betrieben die Spanier von der Hafenstadt Campeche aus einen regen Export von Blauholz nach Europa. Jedes Jahr wurden bis zu 13.000 Tonnen des daher auch Campecheholz genannten Rohstoffs über den Atlantik verschifft – eine so kostbare Fracht, dass die spanische Marine den Handelsschiffen Geleitschutz gegen Piratenüberfälle gewähren musste.
Blauholz war in Europa als Färbemittel für Stoffe aus Baumwolle oder Leinen bald so begehrt, dass im 19. Jahrhundert auf Jamaika und Haiti Plantagen angelegt wurden. Jamaika ist noch heute ein Zentrum des Anbaus des farbigen Holzes. Rund 30.000 Tonnen werden Schätzungen zufolge weltweit jedes Jahr umgesetzt.
Lange Zeit galt Blauholz als besonders edler Farbstoff zum Schwarzfärben von Textilien. Während sich die gewöhnlichen Leute mit dem "Armenschwarz" aus Erlenrinde zu begnügen hatte, trug der Adel mit Blauholz schwarz gefärbte Kleidungsstücke. Einen besonderen Ruf hatte Blauholz auch für das Schwarzfärben feiner Textilien aus Seide wie Strümpfe und Unterwäsche. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden selbst Nylonstrümpfe und Dessous mit Blauholzextrakten schwarz gefärbt. Verbreitet ist der Farbstoff Hämatoxylin heute vor allem in Labors: Er dient dazu, um Zell- und Gewebestrukturen sichtbar zu machen. (ud)