
Auf Spurensuche nach den Farbstoffen der Indianer
Kriminalistik-Methoden sollen alten Textilien Farbe zurückbringen
Mit kriminaltechnischen Methoden wollen amerikanische Wissenschaftler die lebhaften Farben von Textilien der vergangenen Hopewell-Kultur der Indianer Nordamerikas rekonstruieren. Die Techniken werden normalerweise eingesetzt, um Fingerabdrücke oder Blutspuren fotografisch festzuhalten. Die Forscher hoffen nun, mit ihren Untersuchungen an alten Stoffen die Zusammensetzung der Pigmente zu ergründen, mit denen sie einst gefärbt wurden – denn dass die Hopewell-Kultur von bunten Kleidern geprägt war, belegen frühe Berichte.
Wie die amerikanischen Ureinwohner ihre Stoffe färbten, ist bislang kaum bekannt, denn bei archäologischen Textilfunden sind die Farben meist verblasst, die Muster unscharf und das Gewebe brüchig. Obwohl frühe weiße Siedler indianische Kleider als farbenfroh bezeichneten, kommen bei heutigen archäologischen Ausgrabungen oft nur braune Lumpen zum Vorschein – so auch in Erdhügeln im Süden des amerikanischen Bundesstaates Ohio, in denen Indianer der Hopewell-Kultur vor rund 1.600 Jahren ihre Toten bestatteten.
Einen Stofffetzen dieser Ausgrabung untersuchten nun Christel Baldia und Kathryn Jakes von der Staatsuniversität von Ohio in Columbus. Experten halten den Stoff für einen Baldachin, den die Ureinwohner einst in den Gräbern über die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen spannten. Bei Tageslicht sind darauf mit bloßem Auge nur Ansätze eines verblichenen Musters zu erkennen. In Fotografien mit speziellen Filmen und Filtern und mit Licht im Ultraviolett- oder Infrarotbereich, das für das menschliche Auge unsichtbar ist, kommen jedoch deutliche Farbabstufungen zum Vorschein. Ähnliche Verfahren werden in der Kriminalistik eingesetzt, um beispielsweise Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Die Abdrücke werden dazu mit Silbernitrat besprüht und unter UV-Licht betrachtet. (ks) [>>]











zurück
weiterleiten
drucken
PDF-Download
