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29.09.2004
  
Durch den Sauerstoff oxidierte das gelbe Indoxyl zum blauen Indigo. Da Indigo nicht wasserlöslich ist, setzte er sich am Boden ab. Nun musste er nur noch eingesammelt und getrocknet werden, bevor er zu Blöcken gepresst werden konnte. So fand der Indigo in praktischer Blockform seinen Weg nach Europa. Dort musste der Pflanzenfarbstoff allerdings zunächst wieder in seine reduzierte Form überführt werden, bevor er zum Färben von Stoffen verwendet werden konnte. Erst beim Trocknen an der Luft entfaltete das zunächst gelbliche Gewebe dann durch die erneute Oxidation seine blaue Pracht.

Doch von dem qualitativ äußerst hochwertigen Blau aus Indien waren nicht alle Europäer begeistert. Schließlich hielt hier schon seit Jahrhunderten der Färberwaid für das leuchtende Blau her. Der Herstellungsprozess des Waidblaus war auch nicht wenig kompliziert: Die Waidblätter wurden in einer Mühle zerstampft, auf einen Haufen geschichtet und zwei Wochen lang sich selbst überlassen. Nach dieser Gärzeit formten die Bauern kleine Bällchen. Diese so genannten Waidkugeln verkauften sie an die Waidhändler. Deren Knechte feuchteten die Waidkugeln mit Urin an, was eine erneute Gärung in Gang setzte.

Nach einer nochmaligen Lagerung von zwei Jahren wurde der vergärte Waid in Färbehäusern bei etwa 60 Grad Celsius mit Urin und Pottasche verrührt. Dann entstand schließlich nach drei Tagen die so genannte Küpe, in der Textilien gefärbt werden konnten. Auch hier zeigte sich das endgültige Blau erst nach dem Trocknen an der Luft.

Bis zum 13. Jahrhundert lebten ganze Landstriche vom Waidanbau, seiner Aufbereitung und dem Handel mit dem Blau. So war etwa die Stadt Erfurt für ihren Waid berühmt und konnte 1392 die erste deutsche Universität mit vier Fakultäten gründen – finanziert aus den Steuern aus Waidanbau und -handel. Doch mit der Entdeckung des Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama kam im 16. Jahrhundert die Katastrophe für die Waidbauern: der indische Indigo. Bis dahin war dieser ein sündhaft teures Luxusgut. Doch nun führten holländische und portugiesische Händler und Seefahrer Indigo preiswert nach Europa ein. Waid ist bei weitem nicht so ergiebig und qualitativ hochwertig wie der indische Indigo. Und so war sein Schicksal bald besiegelt. Allen Widerständen der einheimischen Waidbauern und -händler zum Trotz setzte sich der indische Indigo im 17. Jahrhundert endgültig durch.

In historischen Zeiträumen bemessen währte sein Sieg allerdings nicht lange. Bereits etwa zwei Jahrhunderte später gelang dem deutschen Chemiker Adolf von Baeyer die erste künstliche Synthese des Blaus. Damit trat synthetisches Indigo auf den Plan. Die meisten Jeans dürften heute mit synthetischem Indigo gefärbt sein, denn der natürliche Indigo wird nur noch selten verwendet.