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05.02.2010
  
Zweihundert Kilometer rheinaufwärts, wo die tollen Tage nicht mehr Karneval heißen, sondern Fastnacht, nämlich in Mainz, hat sich erstaunlicherweise fast die gleiche Farbkombination etabliert: weiß, rot und gelb, nur statt grün wie in "Kölle" kommt in "Meenz" blau hinzu. Welchen Ursprung diese Kombination hat, darüber gehen die Ansichten auseinander. Eine Olympische Gesellschaft, die hier eine Deutungshoheit in Anspruch nehmen könnte, gibt es hier nicht.

Die bekannteste Erklärung erschließt sich jedem Besucher der Mainzer Fastnacht, der seinen Blick einmal weg vom närrischen Treiben hin zu den entlang der Straßen wehenden Fastnachtsfahnen richtet: Sie sind eine Karikatur der französischen Trikolore, denn die Fastnachtsfahne mit ihrer rot-weiß-blauen Farbkombination ist nichts anderes als eine auf den Kopf gedrehte französische Flagge. Die Mainzer, die in ihrer Geschichte immer wieder von den Franzosen besetzt waren, hätten auf diese Weise ihre Besatzer verspottet, so heißt es. Zur französischen Trikolore nahmen sie noch das Gelb der katholischen Kirche als vierte Farbe hinzu – möglicherweise, um ihre spöttische Intention zu verschleiern. Die blau-rot-weiße Farbkombination tauchte übrigens bereits bei den ersten Narrenkappen auf, die auf der Mainzer Fastnacht getragen wurden. Ihr Vorbild haben diese Kappen in den Jakobinermützen, die in der Französischen Revolution als Freiheitssymbol dienten.

Zu den vier Farben der Mainzer Fastnacht hat der Publizist und fundierte Kenner von Fastnachtsbräuchen Günter Schenk ein schönes Zitat eines Büttenredners des Jahres 1840 entdeckt. Es stammt damit aus einer Zeit, als sich die Farbkombination wohl bereits etabliert hatte. Dieser Redner soll unter Schwenken seiner Narrenkappe ausgerufen haben: "Weiß ist die Reinheit unserer Absicht, dein Gelb ist das Sonnengold unserer Herzen, dein Rot ist die Feuerfarbe unserer Gedankenbilder, dein Blau ist der Azurhimmel unserer Freudigkeit."