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21.09.2005
  
Auch der expressionistische Maler Wassily Kandinsky beschäftigte sich mit der Frage, welchen Charakter bestimmte Farben haben und in welchen Formen sie am besten wirken. Wie schon bei Itten bildeten die drei Grundfarben Rot, Gelb, Blau und deren Zuordnung zu den Grundformen Quadrat, Dreieck, Kreis den Ausgangspunkt für seine Farbenlehre. Kandinsky verfolgte dies weiter und stellte den drei Basisfarben dreidimensionale Körper gegenüber: Aus dem Quadrat entstand ein roter Kubus, aus dem Dreieck eine gelbe Pyramide und dem Kreis entspricht in seiner räumlichen Konsequenz die blaue Kugel.

Die psychologische Wirkung der Farbe untersuchte Kandinsky mit so genannten gegenpoligen Farbpaaren. Er bezeichnet die Wirkung von Gelb als exzentrisch und hervortretend, Blau dagegen verhält sich konzentrisch und zurücktretend. Als Synästhetiker belegte Kandinsky die Farben nicht nur mit Charakteren, er konnte sie auch hören. So klingt die Farbe Gelb für ihn in hohen und durchdringenden Tönen, die Gegenfarbe Blau jedoch tief und dunkel.

In seinen abstrakten, farbigen Bildern stellte er eine Verbindung zwischen Musik und Farben her. Sie fordern den Betrachter dazu auf, Analogien in Gehörtem zu finden. Der Maler wählte für seine Werke Titel wie "Konzert" und "Fuge" oder nannte seine Serien "Komposition und Improvisation". Man geht davon aus, dass viele dieser Bilder die Farbempfindungen Kandinskys beim Hören von Musikstücken widerspiegeln.

Die gegenseitige Unterstützung von Form- und Farbgebung entsprang dem Wunsch, gültige Gestaltungsprinzipien zu finden, die in Kunst und Design universell anwendbar waren und wirkungsvolle Kommunikationsmittel darstellten. Im Bauhausunterricht fanden die Theorien über den Zusammenhang von Farbe und Form zahlreiche Umsetzungen in Grafikdesign und Innenarchitektur, zum Beispiel in der Anwendung grafischer Orientierungssysteme, im Plakatentwurf, der Wandgestaltung und im Möbeldesign.