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01.11.2006
  
Trotzdem wurde Galenit nicht nur für die Augenschminke verwendet: Zerstampft, zerstoßen, durchgesiebt und anschließend am Feuer gehärtet, nahm das schwarze Pulver eine rötliche Färbung an und war in dieser Form ein beliebtes Rouge für Lippen und Wangen. Und auch der grüne Lidschatten war nicht gerade gesund. Sein Hauptinhaltsstoff Malachit, auch Kupferspat genannt, ist ein wirkungsvolles Brechmittel, wenn er in Wasser gelöst ist. In Puderform setzt er außerdem feines Kupferpulver frei, und das kann auf Dauer zu Reizungen von Nase, Mundschleimhaut und Augen führen und Kopf- und Magenschmerzen sowie Schwindelgefühl, Brechreiz und Durchfall verursachen.

Ähnlich wie den Ägyptern erging es auch den Griechen. Zwar kamen orangefarbene Grundierung und auch die bunten Kosmetika aus der Mode, dafür hielt jedoch ein neuer Gesichtspuder Einzug in die Schminkkultur. Er war weiß und sollte der Griechin von Welt die Blässe verleihen, die als Zeichen von Vornehmheit galt. Für die Gesundheit war das allerdings kein Fortschritt: Der Puder enthielt fast ausschließlich basisches Bleikarbonat, auch Bleiweiß genannt – und das hat die gleichen Wirkungen auf den Körper wie das vorher gängige Galenit. Zudem hatte die Anwendung auf dem gesamten Gesicht noch die Folge, dass sich auf der Haut Wunden und Abszesse bildeten, die zumindest so lange, wie die Schminke verwendet wurde, nicht mehr abheilten.

Trotz der negativen gesundheitlichen Folgen wurde das Bleiweiß viele Jahrhunderte lang verwendet, zum Teil bis zum Mittelalter. Dabei hatten bereits die Römer eine weniger schädliche Alternative gefunden, wie der Fund eines Cremetiegels aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus in London zeigt: Schon zu dieser Zeit verwendeten vornehme Römerinnen eine mit dem ungiftigen Zinnoxid pigmentierte Gesichtscreme aus gebleichtem Rinder- oder Schafsfett, die einen hohen Anteil Stärke enthielt. Damit sollte der fettige Eindruck nach dem Auftragen in ein gefälliges, pudriges Gefühl verwandeln werden – ein Trick, der auch bei modernen Make-ups verwendet wird.

Dass sich die unschädliche Zinnoxidvariante nicht durchgesetzt hat, ist nach Ansicht von Wissenschaftlern auf einen Irrtum der in Britannien lebenden Römer zurückzuführen: Da sie Zinn und Blei nicht gut voneinander unterscheiden konnten, hielten sie das aus Cornwall stammende Zinnoxid wahrscheinlich ebenfalls für Bleiweiß.