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28.04.2004
  

Warum nach einem Sonnenbad die ganze Welt blau erscheint

Farbige Nachbilder entstehen, wenn ein Teil der Sehpigmente verbraucht ist


Farbige Nachbilder gehören zu den interessantesten Phänomenen des Sehens: Nach einem Blick in die untergehende Sonne schwebt das Bild weiterhin im Sichtfeld. Auch nach langem intensivem Starren auf eine farbige Fläche erscheint die Welt anschließend seltsam eingefärbt. War die gesehene Farbe zum Beispiel Rot, erhält das gesamte Sichtfeld einen leichten Grünstich. Und wer sich bei einem Sonnenbad mit geschlossenen Augen eine Weile dem gelben Sonnenlicht zuwendet, sieht danach alles in sanften Blautönen.


Bei farbigen Nachbildern erscheint das Abbild nach dem Ende des eigentlichen Lichtreizes in dessen Komplementärfarben. Am auffälligsten ist ein solches so genanntes negatives Nachbild, wenn anschließend eine weiße Fläche betrachtet wird. Meist verschwindet es nach kurzer Zeit wieder, doch physiologisch können die Nachwirkungen oft noch stundenlang nachgewiesen werden. Je intensiver der ursprüngliche Reiz ist, desto länger kann ein Nachbild bestehen bleiben.

Diese schemenhaften Bilder folgen den Augenbewegungen, da sie an genau den Ort in der Netzhaut gebunden sind, der durch das Licht angeregt worden ist. Trifft zum Beispiel rotes Licht auf bestimmte Stellen der Netzhaut, wird dort das Sehpigment der rotempfindlichen Sehzellen verbraucht. Nach einer Weile ist die Munition der Rot-Zapfen dann verschossen –so lange, bis sich der Sehfarbstoff wieder regeneriert hat.  [>>]