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29.09.2004
  

Indigo: Pflanzenfarbstoff mit bewegter Geschichte

Mit dem Blau hinterließen schon die britannischen Krieger einen bleibenden Eindruck bei Julius Cäsar


Ohne den uralten Pflanzenfarbstoff Indigo wäre eines der wichtigsten Kleidungsstücke unserer Zeit unvorstellbar: die Bluejeans. Der Farbstoff verleiht der ursprünglich als Arbeiterhose konzipierten Beinbekleidung ihr typisches Blau und ist gemeinsam mit Purpur einer der ältesten Farbstoffe der Welt. Das überaus licht- und waschechte tiefe Blau wird schon seit Jahrtausenden aus verschiedenen, eher unscheinbaren Pflanzen gewonnen. Dazu bedarf es allerdings eines komplexen Herstellungsprozesses, in dem chemische Oxidation und Reduktion eine entscheidende Rolle spielen.


Indigo stammt von dem griechischen Wort "indikon" und bedeutet so viel wie blaue Farbe aus Indien. Der indische Indigo kommt hauptsächlich von der Pflanze Indigofera tinctoria, einem bis zu zwei Meter hohen Busch mit zierlichen weißen, rosafarbenen bis blassblauen Blüten. Zwar ist die Indigofera tinctoria die ergiebigste aller Indigopflanzen, insgesamt gibt es aber mehr als 700 Indigoarten. In Europa nutzten die Menschen dagegen lange Zeit den Färberwaid, um Textilien blau zu färben. Denn auch aus dieser Pflanze lässt sich Indigo gewinnen.

Erste schriftliche Belege für aus Färberwaid gewonnenes Blau sind bereits in Julius Cäsars Gallischem Krieg zu finden. Dort berichtet der Imperator von britannischen Kriegern, die sich mit Waid blau färbten und darum in der Schlacht ganz besonders furchterregend aussahen. Doch die Geschichte des Indigos reicht noch viel weiter zurück: Mit Indigo gefärbte Leinengewebe aus den Höhlen von Qumran wurden auf 200 Jahre vor Christus datiert. Andere Funde belegen sogar, dass der Mensch schon seit dem dritten Jahrtausend vor Christus mit dem Pflanzenblau färbt. Wie die Menschen allerdings vor 5.000 Jahren auf die Idee kamen, dass sich aus der Pflanze ein haltbares Blau gewinnen lässt, und dazu noch den nicht gerade trivialen Herstellungsprozess entwickelt haben, bleibt ungewiss.

Denn einen blauen Eindruck machen nämlich weder Indigofera tinctoria noch der Waid. Kein Wunder, schließlich ist der Farbstoff auch gar nicht unmittelbar in ihnen enthalten. Aber in allen Blättern befindet sich eine Vorstufe von Indigo, das Indican. Um aus dieser Verbindung den blauen Indigo zu gewinnen, bedarf es einer komplexen Prozedur, die in Indien etwa folgendermaßen durchgeführt wurde: Die Pflanzenteile der Indigofera wurden zur Gärung in große im Boden eingelassene Becken mit weichem Wasser gegeben. Während der Gärung wandelte sich Indican in Indoxyl um. Nach etwa 15 Stunden ließ man die nun gelbliche Brühe in ein tiefer gelegenes Becken ab. Dort wurde die Flüssigkeit durch Schlagen und Rühren oder den Einsatz von Schaufelrädern gründlich umgewälzt, sodass ausreichend Sauerstoff hinzugefügt wurde.  [>>]