
Das Färben von Textilien – eine Wissenschaft für sich
Moderne Textilfärbetechniken sind effektiv, schnell und genau auf die Ansprüche an einen Stoff abgestimmt
Textilien sind allgegenwärtig – von der Bettdecke über die Kleidung bis zum Handtuch. Doch wie wird die Jeans blau? Wie kommt der Nadelstreifen in den Anzug? Was unterscheidet einen roten Vorhangstoff von einem roten Futterstoff? Die Antwort liefert die moderne Textilfärberei – und diese ist mit ihren vielen Farbstoffklassen und Färbetechniken eine Wissenschaft für sich.
Wie bei den meisten Färbe- und Drucktechniken steht auch zu Beginn eines Färbeprozesses eine Frage – und zwar die, wofür der zu färbende Stoff genutzt werden soll. Das entscheidet nämlich, gegen welche äußeren Einflüsse die Färbung widerstandsfähig sein soll. "Ein Vorhangstoff muss sehr lichtecht sein, während es nicht nötig ist, ihn gegen das Einwirken von Schweiß zu wappnen. Bei einem Futterstoff ist es dagegen umgekehrt: Er kommt kaum mit Licht in Berührung, darf aber bei Kontakt mit Schweiß nicht abfärben", erklärt Werner Pogorzelski, Textilingenieur beim Farbstoffproduzenten DyStar, das Prinzip.
Von diesen Ansprüchen und der Art der Textilfaser hängt es ab, welche Farbstoffe der Färber auswählt und mit welcher Methode er die Färbung ausführt. Grundsätzlich kann er dabei zwischen drei verschiedenen Verfahren wählen: dem Kontinue-Verfahren, dem Semikontinue- oder Klotz-Kalt-Verweil-Verfahren und dem Ausziehverfahren.
Technisch am wenigsten aufwändig ist das Klotz-Kalt-Verweil-Verfahren oder KKV. Es wird typischerweise für das Färben von Stoffen aus Zellulosefasern wie Baumwolle, Viskose oder Leinen mit Reaktivfarbstoffen eingesetzt. Der Ablauf lässt sich dabei grundsätzlich in zwei Phasen gliedern: das Klotzen und das Verweilen. Beim Klotzen wird der Stoff glatt und in voller Breite durch einen Chassis genannten Behälter mit der so genannten Flotte geführt – einer konzentrierten Lösung oder Suspension mit dem Farbstoff. Direkt danach muss er zwei eng aneinanderliegende Rollen passieren, die den Überschuss an Farbstofflösung abquetschen.
Im zweiten Schritt wickelt man den nassen Stoff in eine Folie und lässt ihn mehrere Stunden, meist sogar über Nacht, bei Raumtemperatur rotieren. In dieser Zeit knüpft der Farbstoff chemische Bindungen zu den Zellulosefasern des Stoffs. Diese Färbetechnik ist unter anderem wegen des geringen Energieaufwandes sehr wirtschaftlich und eignet sich zum Beispiel für modische Stoffe, die anschließend normal – also ohne Zusatz von Chlor oder ähnlichem – gewaschen werden. "Für einen grünen OP-Kittel, der häufig desinfiziert werden muss, würde man dagegen eine andere Farbstoffklasse wählen", so Pogorzelski. [>>]









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