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22.02.2006
  

Wie Knoblauch Gold zum Haften bringt

In der Malerei wurde die Knolle früher als duftendes Bindemittel für metallische Farbstoffe eingesetzt


Noch heute sticht Blattgold auf alten Gemälden ins Auge. Zu den Zeiten, als die Bilder gemalt wurden, stach die wertvolle Verzierung jedoch auch in die Nase: Die hauchdünnen Goldblättchen wurden nämlich nicht immer mit Eiweiß oder tierischem Leim auf der Leinwand befestigt, sondern auch mit Knoblauch – und der hat einen charakteristischen Fingerabdruck auf den Kunstwerken hinterlassen, wie italienische Forscher nun zeigten.


Schon im Mittelalter waren Gold, Silber und andere Metalle wie Zinn in der Malerei sehr beliebt, sei es auf Leinwänden, bei Wandmalereien oder zur Verzierung der Bilderrahmen. Aufgetragen in extrem dünnen Blättchen, zauberten die edlen Materialien ungewöhnliche Lichtreflexe in das Motiv, verliehen Bildern optische Tiefe und veredelten eher unedle Materialien. Doch das Auftragen der hauchdünnen Metallblättchen verlangte nicht nur beträchtliches Fingerspitzengefühl, sondern auch eine gut gefüllte Speisekammer: Eiweiß, aus Knochen oder Haut gewonnener Leim, Honig und Gelatine gehörten zu den am häufigsten verwendeten Stoffen, mit denen die glänzenden Verzierungen auf dem Untergrund festgeheftet wurden.

Immer wieder taucht in alten Berichten auch Knoblauch als Klebe- und Bindemittel für das Auftragen von Blattgold auf. Welche Gemälde jedoch mit dem duftenden Extrakt behandelt wurden, lässt sich heute weder mithilfe der Nase noch mit dem bloßen Auge erkennen: Die flüchtigen Anteile, die für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind, sind längst verflogen, und optische Kennzeichen wie typische Verfärbungen hinterlässt der Knoblauch nicht.

Wie also das Zwiebelgewächs nachweisen? Das fragte sich auch ein Forscherteam um Ilaria Bonaduce von der Universität Pisa. Auf der Suche nach einer Antwort nahmen sich die Chemiker als erstes die Liste der Knoblauchbestandteile vor: Neben den schwefelhaltigen Anteilen des Duftöls, das bis zu 0,4 Prozent der Masse ausmachen kann, besteht eine Zehe hauptsächlich aus Kohlenhydraten und Proteinen. Außerdem enthält sie Mineralien wie Phosphor und Kalium, Vitamine und Abkömmlinge von Senfölen.

Doch nicht alle dieser Substanzen eignen sich für eine Analyse, wie sie den Italienern vorschwebte – entweder, weil ihre Struktur sich im Lauf der Zeit verändert und sie nicht mehr nachweisbar sind oder weil ihre Zusammensetzung nicht charakteristisch genug ist und auch in anderen Materialien vorkommt. Das gilt beispielsweise für die Kohlenhydrate, die immerhin 75 Prozent der Knoblauchtrockenmasse ausmachen: Dabei handelt es sich hauptsächlich um Trauben- und Fruchtzucker, den wohl häufigsten Zuckervarianten, die es in der Natur gibt. [>>]