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21.06.2006
  

Was Forelle, Sperber und Pelz mit dem Wort "Farbe" zu tun haben

Über die Herkunft des Wortes können Sprachforscher nur spekulieren


Warum heißt Farbe "Farbe"? Die Suche nach der Herkunft dieses Wortes führt bis in die Jungsteinzeit. In dieser Zeit, ab etwa 6000 vor Christus, sprachen die Menschen von Europa bis zum indischen Subkontinent eine Sprache, die mangels schriftlicher Überlieferung nur als Konstrukt bekannt ist. Sie wird Indoeuropäisch genannt. Früher sprachen Sprachforscher auch von Indogermanisch. Sprachwissenschaftler nehmen an, dass in der Zeit der ersten Hochkulturen ab etwa 4000 vor Christus der Zerfall des Indoeuropäischen in einzelne Sprachgruppen begann. Und bis in diese Zeit könnten auch die Ursprünge des Wortes "Farbe" zurückgehen.


Die ersten schriftlichen Belege, die konkret auf unser heutiges Wort "Farbe" hinweisen, stammen aus dem Althochdeutschen und dem Gotischen. Althochdeutsch ist die Sprache aus der Zeit Karls des Großen, von der es nur wenige Sprachdenkmäler gibt. Aber immerhin ist das Wort "far(a)wa" aus dem Althochdeutschen nachgewiesen. Aus der jüngeren Sprachepoche, dem Mittelhochdeutschen und damit der Sprache, in der auch Walther von der Vogelweide sang, sind die Formen "varwe" und "var" belegt. Im Mittelniederdeutschen gab es "varwe" und im Mittelniederländischen "var(u)we", "vaerve" und "verve". Die Frage ist jedoch, ob diese alten Wörter eigentlich "Farbe" bedeuteten in unserem heutigen Sinne, oder ob sich diese Bedeutung erst mit der Zeit oder über einen Umweg herausgebildet hat.

Im Althochdeutschen fanden die Etymologen noch die Adjektive "blafaro" und "brunfaro". Die Form "-faro" brachten sie in Zusammenhang mit der rekonstruierten indoeuropäischen Form "*perk" oder "*prek". Das Sternchen vor der Form macht kenntlich, dass es sich um eine Rekonstruktion handelt und nicht um einen Beleg. "*Perk" findet sich wieder im griechischen Wort "perkos", was 'Sperber' bedeutet. Der Sperber hat bekanntlich ein gesprenkeltes Gefieder, was er zur Tarnung einsetzt. Darum vermutet man, dass "*perk" ursprünglich die Bedeutung 'gesprenkelt', ''bunt', 'buntgetupft' hatte.

Das ist auch die Eigenschaft der Forelle. Und tatsächlich lässt sich auch hier eine Verbindungslinie ziehen. "Forelle" hieß im Mittelhochdeutschen "forhel" oder "förhel". In noch älteren Formen ist noch ein so genanntes n-Suffix erhalten, im Althochdeutschen "for(a)hana" und im Altsächsischen "furhnia". Im Altindischen, das ja auch zum Indoeuropäischen gehört, fand man die Form "prsnih", die 'gefleckt, bunt' bedeutet.

Eine Verwandtschaft der Wörter ist nicht unwahrscheinlich: Das n ist vorhanden und dass sich der p-Laut zu f wandelt, ist nicht ungewöhnlich, man denke an pater-father. Das r kann ein Halbvokal sein, der vokalisiert wurde. So kann die Forelle ebenfalls durch ein Wort, das "gefleckt, getupft, gesprenkelt' bedeutet, zu ihrem Namen gekommen sein. Und das Wort "Farbe" kann ursprünglich auch diese Bedeutung gehabt haben.  [>>]