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09.03.2005
   

Mit Farbe zu fröhlichen Wohnungen: Der Arbeiter-Architekt Bruno Taut

Mit dem Schlagwort "Farbe ist Lebensfreude" beschwor der Baumeister vor 80 Jahren eine Rückkehr zur Natur


Mit seiner Vision vom angenehmen Wohnen für jedermann in farbenprächtiger Umgebung prägte der Architekt Bruno Taut das Stadtbild von Teilen Berlins und Magdeburgs bis in die heutige Zeit hinein. Farbiges und sozialverträgliches Bauen gehörten zu seinem Selbstverständnis als Architekt und war Voraussetzung für die Verbindung von Natur und Architektur.


Statt "jetzt wird’s bunt" oder "jetzt reicht’s" setzte sich die Bevölkerung Magdeburgs in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter dem Schlagwort "jetzt Taut’s" mit den Visionen und architektonischen Ideen ihres Stadtrates Bruno Taut auseinander. Die Ambivalenz der Bürger gegenüber ihrem farbenfrohen Stadtrat kommt damit wohl am besten zum Ausdruck. Taut ließ in der Aktion "farbiges Magdeburg" von 1921 bis 1924 Straßenzüge und selbst das barocke Rathaus bunt übermalen. Dieser expressionistische Ansatz und die Farbenvielfalt stießen nicht überall auf Gegenliebe.

Begonnen hat der farbintensive Weg Bruno Tauts in Königsberg im damaligen Ostpreußen. Dort wurde er 1880 geboren und bestand 1902 mit Auszeichnung seine Ausbildung zum Architekten an der Baugewerbeschule. Eigentlich wollte Taut danach Maler werden, blieb jedoch bei dem damals sicheren Broterwerb Architektur und begann, bei verschiedenen Architekten zu arbeiten. Unter anderem wirkte er bei dem Jugendstil-Architekten Bruno Möhring in Berlin und mit Professor Theodor Fischer in Stuttgart.

Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, in seiner Freizeit der Malerei nachzugehen und unzählige Naturbilder zu malen. Die der Natur entlehnten Farbräume und Gestaltungsprinzipien wurden für ihn zur Basis für die Entwicklung seiner Architektur. So schrieb er in einer Tagebuchnotiz von der "Vereinigung meiner Begabung hinsichtlich der Farbe mit meinem architektonischen Können": Farbige Kompositionen, farbige Architektur seien Gebiete, "in denen ich vielleicht eigenes Persönliches sagen werde", hielt er am 17. März 1905 fest. Mit diesen Ideen machte er sich 1909 in Berlin selbstständig.

In der Verknüpfung von Malerei und Architektur dachte sich Bruno Taut den Farbraum nicht als der Architektur untergeordnet, sondern als etwas, das aus sich selbst den mit der Natur in Harmonie gebrachten Raum konstituiert. So bezog er in seiner Architektur von Wohnanlagen vor allem die Natur mit ein und verschmolz beide miteinander. Der Farbraum galt ihm als ein Prinzip der Natur. Dementsprechend nahm er ihn auch ins Innere der Wohnungen hinein, sodass in seinen Augen die Architektur von beiden Seiten her, von innen und außen, durch Natur aufgelöst wurde. 1918/19 entwarf er in seinen großen Bildzyklen "Alpine Architektur" und "Auflösung der Städte" die Utopie einer Verschmelzung von Architektur und Natur. [>>]