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07.12.2005
  

Heraldik: Strenge Regeln für die Farben auf dem Schild

Die Herolde wachten darüber, dass es bei der Vergabe der Wappen mit rechten Dingen zuging


Das finstere Mittelalter hatte durchaus seine Farbenpracht: Farbige Wappen prangten seit den ersten Kreuzzügen auf den Schilden von Adligen und ihrer Gefolgschaft. Diese Wappen entwickelten sich in den folgenden Jahrhunderten zu wichtigen repräsentativen Symbolen eines Geschlechts oder einer Körperschaft. Farben waren in diesen Wappen zentrale Gestaltungselemente, hatten jedoch keine symbolische Bedeutung.


Die ersten Wappen tauchten um den ersten Kreuzzug herum auf, zu dem Papst Urban II. 1095 aufgerufen hatte. Für die Heraldik, deren Gegenstand die Erforschung der Wappen ist, gilt der um 1080 entstandene Teppich von Bayeux als wichtigste Quelle im Übergang von der wappenlosen zur heraldischen Zeit. Zwar sind schon einzelne Banner zu sehen, aber noch keine Schildzeichen, die wie spätere Wappen gestaltet sind.

Oft denkt man bei Wappen zuerst an die Abbildungen: Löwen, Türme, Adler, Greife. Doch die Farben sind konstitutiv für ein Wappen. "Wie wichtig die Farbe im Wappen ist, zeigt die Tatsache, dass es zwar Wappen ohne Bilder gibt, aber niemals ohne Farbe", heißt es in Gert Oswalds "Lexikon der Heraldik". "Eine Farbsymbolik gibt es in der Heraldik jedoch nicht", erklärt Georg Scheibelreiter, Professor für Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien. "In der Heraldik heißt es also nicht 'Rot ist die Farbe der Liebe' oder 'Grün ist die Hoffnung'".

Dennoch gab es strenge Farbregeln. Zum einen konnte man nicht jede beliebige Farbe für ein Wappen benutzen. Als Wappenfarben – oder wie die Fachleute sagen: heraldische Tinkturen – galten nur Rot, Blau, Grün und Schwarz sowie die beiden Metalle Gold und Silber. Etwas später kam noch Purpur hinzu. Die Farben durften auch nicht beliebig kombiniert werden, sondern es galt die Regel: Auf eine Farbe muss ein Metall treffen. "Wappen, bei denen die Farbregeln nicht beachtet wurden, hießen Rätselwappen", erklärt Scheibelreiter, der jüngst ein Einführungshandbuch zur Heraldik veröffentlicht hat. "Ihre Träger wiesen sich damit auch als Leute aus, die sich nicht auskannten."

Auch Metall auf Metall sollte es eigentlich nicht geben. Eine Ausnahme war der König von Jerusalem, der Gold und Silber in seinem Wappen vereinte. Später wurden dies die heute auch als Gelb und Weiß bekannten Papstfarben. Dabei ist fast in Vergessenheit geraten, dass damit eigentlich Gold und Silber gemeint sind.  [>>]