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16.01.2004
  

Der erste Globus der Farbe

Die Farbenkugel von Philipp Otto Runge: ein dreidimensionales und vollständiges Farbsystem


Der Maler Philipp Otto Runge ordnete im Jahre 1810 die Farben samt ihrer Abstufungen in verschiedenen Sättigungen und Helligkeiten auf einem Globus an und schuf damit die erste dreidimensionale Darstellung, die auch nach modernen Gesichtspunkten vollständig und korrekt ist. Sein Ansatz war eher intuitiv, doch mit der korrekten Umsetzung beschäftigte er sich viele Jahre lang. Stark beeinflusst wurde der Maler durch Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er einen engen Kontakt pflegte.


Seine Farbenkugel war Philipp Otto Runges Lösungsansatz für die Problematik, welche die subtraktive Farbmischung mit sich bringt. Da die Ergebnisse subtraktiver Farbmischungen sehr schwer vorhersagbar sind, wollte er ein zuverlässiges Mischsystem erstellen, das die Reproduzierbarkeit von Mischungen gewährleisten kann. Auch die perspektivische Darstellung von Gegenständen und die damit verbundenen Helligkeitsunterschiede der Farben beschäftigten den Künstler.

Runge definiert fünf Farben als Elemente aller Mischungen: Weiß, Schwarz, Blau, Gelb, Rot. Da Weiß und Schwarz jedoch den Gegensatz von Hell und Dunkel oder Licht und Schatten darstellen und so die anderen Farben in ihrer Helligkeit zu beeinflussen vermögen, sondert er diese wieder ab und stellt sie den anderen Farben gegenüber. Auf der Erdachse verlaufen in seinem System die unbunten Grautöne von Schwarz nach Weiß. Im Mittelpunkt des Globus liegt ein vollkommen neutrales Grau.

Blau, Gelb und Rot und die aus diesen Farben resultierenden Mischfarben bilden in seinen Augen ein Kontinuum, das er auf dem Äquator seines Globus ansiedelt. Die Farben auf dem Äquator liegen in ihrer kräftigsten Ausprägung, also voll gesättigt vor. Zum Nordpol hin werden sie durch die Beimischung von Weiß immer heller und verlieren sich schließlich im Weiß. Zum Südpol hin lässt Runge die Farben durch die Beimischung von Schwarz immer dunkler werden bis zum reinen, unbunten Schwarz. In Richtung der Erdachse verlieren sie an Sättigung, bis sie sich schließlich im Grau verlieren.

Damit hat Runge ein System geschaffen, das alle möglichen Farben inklusive ihrer Abstufungen in Helligkeit und Sättigung enthält. Auch nach heutigen Gesichtspunkten ist die Rungesche Farbenkugel vollkommen korrekt. Andere Farbsysteme vor Runges Zeit weisen entweder in der Anordnung der Farben Fehler auf, sind unvollständig oder nicht offensichtlich dreidimensional.  [>>]