
Weitere Artikel zum ThemaTausendsassa Titandioxid
Seit fast hundert Jahren sorgt das Pigment für strahlendes Weiß
Herrliches Weiß für jeden: Mit der Entdeckung des Pigments Titandioxid vor knapp hundert Jahren konnte die industrielle Produktion eines auch im Nasszustand gut deckenden strahlenden Weiß beginnen. Erst damit hat sich Weiß als massenhaft verwendeter Farbton durchgesetzt. Bis heute sind die Eigenschaften von Titandioxid unerreicht – nicht nur als Pigment für Farben: Der Tausendsassa wird zum Beispiel in Sonnencremes zum Schutz gegen schädliche UV-Strahlung eingesetzt.
Weiß ist sauber, weiß ist rein. Weiß duldet keine Ablenkung – zum Beispiel durch hässliche Flecken. Je weißer, desto deutlicher strahlt die Makellosigkeit. Das gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch für Wände, Möbel, Gebrauchsgegenstände. Überall, wo Sauberkeit gefordert ist, herrscht das Weiß vor. Ebenso dort, wo die Ästhetik der Form im Vordergrund steht, denn Weiß lenkt nicht ab. Doch so einfach war das mit dem Weiß früher nicht. Die Farbe war zwar vornehm, machte aber krank. Denn das einzige Mittel, mit dem gut deckend gestrichen oder gemalt werden konnte, steckte voller Blei. Das so genannte Bleiweiß glänzte mit guten Verarbeitungseigenschaften, schadete jedoch der Gesundheit. Als Schminke kam es daher im Mittelalter langsam aus der Mode. Die Nebenwirkungen waren oft allzu deutlich in Form von Abszessen im Gesicht zu erkennen.
Zur Massenfarbe konnte Weiß erst werden, als 1908 ein neues, ungiftiges Mineralpigment entdeckt wurde, das Titandioxid. Es wird aus schwarzem, so genanntem Ilmenit oder auch Titaneisenerz gewonnen, einem Mineral, das aus Magma entstand und heute größtenteils aus Australien, Kanada und Südafrika kommt. Titaneisenerz ist aber auch in Norwegen, Finnland und Deutschland zu finden.
In Norwegen entwickelten Wissenschaftler 1915 ein Verfahren, Titandioxid herzustellen, das noch heute angewendet wird. Dazu wird das Titaneisenerz fein gemahlen und aufbereitet. Das so genannte Sulfatverfahren trennt dann mithilfe konzentrierter Schwefelsäure das Eisen von dem Titan. Es entstehen Eisen- und Titanoxidsulfat. Durch Zugabe von Wasser kristallisiert das Eisensulfat aus und kann abgeschöpft werden. Das Titansulfat wird hingegen gekocht und reagiert mit dem Wasser zu Titanoxidhydrat, das in einem Ofen bei bis zu 1.000 Grad Celsius zu Titandioxid geglüht wird. [>>]








zurück
weiterleiten
drucken
PDF-Download
