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Le Corbusier setzte auf volle Farbflächen und propagierte dennoch einen puristischen Einsatz von Farbe
"Sich vor eine farbige Wand zu stellen ist etwas anderes als in einen geblümten Morgenmantel zu schlüpfen", umschrieb der französisch-schweizerische Architekt und Maler Le Corbusier sein Verständnis von Farbe und menschlichem Wohlbefinden. Nicht plüschig, verschnörkelt oder gar gemustert, sondern klar und funktional solle die Farbe sein. Ihre psychische und räumliche Wirkung war von entscheidender Bedeutung. Welche Farben sich für die Architektur eignen und welche nicht, bestimmte Le Corbusier selbst.
Es begann mit Weiß. Zu Beginn seiner Laufbahn waren die Bauten des 1887 in La Chaux-de-Fonds im Schweizer Jura als Charles Edouard Jeanneret-Gris geborenen Architekten in diesem neutralen Farbton gehalten. Damit entsprach er dem Zeitgeist, der alle unnütze Dekoration und "den Basar der historischen Stile" verneinte. Als Maler setzte sich Le Corbusier hingegen schon früh mit Farbigkeit und Flächen, besonders im Kubismus auseinander. Er entwickelte zusammen mit seinem französischen Kollegen Amédée Ozenfant 1918 den Purismus, der eine einfache und funktionale Malerei und Bauweise anstrebte. Ästhetik und Maschinenwelt sollten sich vereinigen, geometrische Formen vorherrschen. Schnörkel, Muster und andere dekorative Elemente lehnte der Purismus streng ab.
Farben waren gewollt. Ihren Einsatz bestimmten Ozenfant und Le Corbusier jedoch aufgrund ihrer psychischen und räumlichen Wirkung. Sie wählten Farben nicht wie Wilhelm Oswald nach objektiven Maßstäben, sondern ausdrücklich nach ihren subjektiven Kriterien, die sie als allgemeingültig und konstant ansahen. Für die Architektur und Malerei stellten sie eine so genannte große Farbreihe zusammen, die "Grande gamme". Zu ihr zählten sie gelbe und rote Ockertöne, Erdfarben, Weiß, Schwarz und Ultramarin sowie die von diesen Farben abgeleiteten Töne. Nur diese Farben ließen die beiden als "architektonische" Farben mit konstruktiven Eigenschaften gelten. Falsche, "unarchitektonische" Farben, die Wände in eine Art Vibration versetzen und damit ihrer Wirkung berauben, galten als Missgeschick und waren strikt verboten. Dazu gehörten zum Beispiel Zitronengelb, Orange, Krapprot, Smaragdgrün, Veroneser Grün und helles Kobaltblau. [>>]










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