
Forscher vermuten, dass sich die Verknüpfungen zwischen bestimmten Reizen und Empfindungen in den ersten Lebensmonaten bilden. Untersuchungen an Säuglingen zeigen, dass akustische Reize bei den Kleinen nicht nur das Hörzentrum, sondern auch das Sehzentrum aktivieren. Bei den meisten verliert sich diese angeborene Fähigkeit jedoch im Laufe des Lebens oder schwächt sich stark ab. Bleibt sie erhalten, merken die meisten Synästhetiker spätestens im Schulalter, dass sie die Dinge etwas anders wahrnehmen als viele andere Menschen.
In einer schwächeren Ausprägung ist Synästhesie jedoch allgemein verbreitet: Viele kennen das unangenehme Gefühl, das über die Tafel quietschende Kreide auslöst – es geht über Hören allein weit hinaus. In den achtziger Jahren meinten Wissenschaftler noch, dass nur etwa einer von 25.000 bis 100.000 Menschen ein Synästhetiker ist. Heute gehen Schätzungen von weit mehr aus: Bei einem von 500 bis 2.000 Menschen vermuten Experten eine Überschneidung der Sinne. Da in Familien oft eine Häufung des Phänomens auftritt und Frauen weitaus häufiger Synästhetiker sind als Männer, wird von einer Vererbung der Fähigkeit über das X-Chromosom ausgegangen.
Synästhesien sind individuell einzigartig wie ein Fingerabdruck – kein Mensch sieht die gleichen Farben zu den gleichen Tönen. Sie geschehen unwillkürlich und können nicht abgeschaltet werden. Und die Verbindungen bleiben das ganze Leben konstant. Wer als Kind schon die Zahl Zwei mit Dunkelgrün verbindet, tut dies als Erwachsener immer noch. Häufig sind Synästhetiker besonders kreativ, wie beispielsweise der Maler Wassily Kandinsky. Von ihm wird erzählt, er habe Farbtöne gesummt, bevor er sie auf seiner Palette zusammenmischte.










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