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06.06.2007
  
Da er jedoch nicht alle Farben selbst fertigen konnte, benutzte auch er industriell produzierte. Vor allem für kräftiges Rot, Blau und Gelb. "Selber machen kann man alle braunschwarzen Farben mit gelblichen und rötlichen Nuancen. Sie liegen auf der Straße. Wenn man das als Untergrund nimmt und die industriell hergestellten Farben hineinsetzt, erhöht es die Wirkung", beschrieb er seine Auswahl.

Diese Vielfalt und Kombination der Farben setzte sich auch in seinen Architekturentwürfen durch. Er wetterte gegen die graue Monokultur moderner Architektur und die einfarbigen Fassaden der Häuser. Da er die gerade Linie als unnatürlich und krank machend auffasste, waren ihm die rechtwinkligen Gebäude der meisten Städte ein Gräuel. Als "Architekturdoktor" versah er sie, wenn er konnte, mit Türmchen, verschiedenartigen Fenstern, goldenen Kacheln und mehr Farbe.

Er ging sogar so weit, ein "Fensterrecht" zu proklamieren, nach dem jeder Mieter um die Fenster seiner Wohnung herum malen dürfe, soweit sein Arm beziehungsweise Pinsel reiche: "…, sodass man von weitem, von der Straße sehen kann: Dort wohnt ein Mensch, der sich von seinen Nachbarn, den einquartierten versklavten Normmenschen unterscheidet."

Für Hundertwasser war die Wohnung, das Haus nach der Kleidung die dritte Haut des Menschen. Dementsprechend müsse sie individuell gestaltet sein und sich mit ihren Bewohnern entwickeln und verändern dürfen. So sollten auch Reparaturarbeiten erkennbar bleiben. Über Löcher im Putz solle man sich freuen. Sie seien ein Geschenk der Natur, machen das Haus reicher und seien nicht zu verstecken, sondern zum Beispiel in einer anderen Farbe anzustreichen.

Das Grün der Pflanzen durfte dabei auf Balkon, Dach, Mauervorsprüngen und in jeder Wohnung ebenso wenig fehlen wie in der Umgebung. Die Natur floss in seine Gebäude ein, ebenso wie umgekehrt in seinen Bildern der Mensch in die Landschaft eingebettet wurde, zum Beispiel in "Irinaland über dem Balkan". In dem Porträt der bulgarischen Schauspielerin Irina Meleeva von 1969 fesseln ihre grün leuchtenden Augen, ihr blau schimmernder Mund den Betrachter. Ihr geschwungen gelb gestreiftes Gesicht ist in die Landschaft, in vereinzelte Häuser eingewoben.

Eine solche Verwurzelung mit der Natur zeigt sich auch in Hundertwassers Kriterien für ein gutes Gemälde: "…Es sollte wie eine Blume sein, wie ein Baum. Es sollte so sein wie die Natur. Es sollte so sein, dass man es vermisst, wenn es nicht da ist. Es ist eine Person. … Ein Gemälde ist nur dann gut, wenn es dem Vergleich mit einem Baum oder einem Lebewesen standhält." (ab)