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Mainzer Psychologen untersuchen Zusammenhang zwischen Farbgebung und Raumeindruck
Farbkontraste nach Johannes Itten
Farben beeinflussen sich gegenseitig und sind voneinander abhängig. Der Künstler Johannes Itten, Lehrer am Bauhaus, beschrieb die Beziehungen und Effekte der Farben untereinander in seiner Theorie der sieben Farbkontraste:Farbe-an-sich-Kontrast
Er entsteht, wenn reine Farben in bunter Zusammenstellung verwendet werden. Den stärksten Ausdruck des Farbe-an-sich-Kontrastes erhält man durch die Verknüpfung der Primärfarben Rot, Blau und Gelb - die Wirkung ist immer laut, kraftvoll und entschieden, die der Sekundärfarben eher leise und ausgeglichen. Der Farbe-an-sich-Kontrast findet sich beispielsweise in der mittelalterlichen Buchmalerei, aber auch bei modernen Malern wie Matisse, Miro, Picasso oder Kandinsky.
Hell-Dunkel-Kontrast
Er bezieht sich auf die Anwendung der unterschiedlichen Helligkeiten und Tonwerte der Farben. Alle Farben können mit Weiß aufgehellt oder mit Schwarz gedunkelt werden. Der Hell-Dunkel-Kontrast kommt sowohl bei den unbunten Farben Schwarz, Weiß und Grau als auch bei den Buntfarben vor. Gleiche Helligkeiten machen Farben verwandt, während ein starker Hell-Dunkel-Kontrast Plastizität entstehen lässt, da helle Farben nach vorne streben und dunkle in den Hintergrund zurücktreten. Maler, bei denen der Hell-Dunkel-Kontrast eine besondere Rolle spielt, sind beispielsweise Rembrandt, Goya und Velazquez.
Kalt-Warm-Kontrast
Der Kalt-Warm-Kontrast bezeichnet die unterschiedliche Empfindung von Menschen beim Anblick von Farben: Rotorange gilt als die wärmste, Blaugrün als die kälteste Farbe. Versuche haben gezeigt, dass blaue Räume als "kalt" empfunden werden, bei gleicher Zimmertemperatur orange-rote aber als angenehm "warm". Die Farben der linken Hälfte des Farbkreises, also von Blauviolett bis Gelbgrün, gelten allgemein als kalt, die rechte Hälfte, also Gelb bis Rotviolett, als warm. In der Landschaftsmalerei unterstützt der Kalt-Warm-Kontrast den räumlichen Eindruck, da sich weiter entfernte Farben Richtung Blau verschieben, also kälter werden.
Komplementär-Kontrast
Der Komplementär-Kontrast beschreibt die Wirkung zweier Farben, die als Buntton die größte Verschiedenheit haben. Die Komplementärfarben liegen sich im Farbkreis gegenüber. Dadurch, dass sie so gegensätzlich sind, steigern sie sich gegenseitig. Direkt nebeneinander platziert, erreichen Komplementärfarben höchste Leuchtkraft und höchste Farbwirkung, wodurch jede Farbe voll zur Wirkung kommt. In der Malerei spielt der Komplementär-Kontrast im Expressionismus eine große Rolle.
Simultan-Kontrast
Seine Wirkung beruht auf dem Komplementärgesetz, nach dem jede reine Farbe physiologisch nach der Gegenfarbe "verlangt". Ist diese Farbe nicht vorhanden, so erzeugt der menschliche Sehsinn simultan die Komplementärfarbe. Ein intensives Grün lässt ein daneben stehendes neutrales Grau deshalb rötlich erscheinen, während ein sattes Rot das gleiche Grau grünlich wirken lässt. Zu einer gegebenen Farbe bildet sich in der Wahrnehmung gleichzeitig (simultan) die Komplementärfarbe und bewirkt eine scheinbare Veränderung der benachbarten Farbflächen. Systematisch erforscht wurden die gegenfarbigen Kontraste durch den Chemiker Eugène Chevreul. Sie sind durch ihn zur technischen Grundlage der modernen Malerei geworden.
Qualitäts-Kontrast
Der Qualitäts-Kontrast entsteht zwischen gesättigten, leuchtenden Farben und stumpfen, gebrochenen Farben, also durch Unterschiede in der Farbqualität. Die Strahl- und Leuchtkraft der Farben kann durch das Beimischen von Weiß, Schwarz, Grau oder das Mischen der Komplementärfarben verändert werden. Der Qualitäts-Kontrast lässt sich durch benachbarte Farben beeinflussen, beispielsweise wirken verhüllte Farbtöne neben einem neutralen Grau immer noch leuchtend und intensiv.
Quantitäts-Kontrast
Der Quantitäts-Kontrast beruht im Unterschied zum Qualitätskontrast auf der Gegenüberstellung verschieden großer Farbflächen. Wenn diese in bestimmten Verhältnissen vorliegen, ist die optische Wirkung der Farben gleich intensiv und wird daher als harmonisch empfunden. Beispielsweise entspricht ein Teil Orange zwei Teilen Blau. Ein Teil Gelb entspricht etwa drei Teilen Violett. Rot und Grün entsprechen sich hingegen in gleichen Flächenanteilen.







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