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21.05.2014

Bergischer Dreiklang

Wie drei Farben die landschaftliche Identität einer Region bestimmen

Schwarz wie dunkel gestrichenes Holz, weiß wie eine helle Wand und grün wie ein Fensterladen: Was sich beinahe anhört wie die Farbsymbolik eines alten Märchens, ist der "Bergische Dreiklang" – das identitätsstiftende Element einer ganzen Region. Denn im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen gelten diese drei Farben als Symbol der althergebrachten Bauweise, davon vor allem der als Bergischgrün bezeichnete Grünton.

Bergischer Dreiklang, Foto: Frank Vincentz, CC-LIzenz

Zu sehen ist der Bergische Dreiklang vor allem an alten Fachwerkbauten: Das von außen sichtbare Gebälk ist dabei typischerweise in Schwarz gehalten. Manchmal gibt es zusätzlich auch Dach- oder Fassadenelemente aus schwarzem Schiefer. Weiß sind hingegen die Gefache zwischen dem Gebälk oder auch die Fensterrahmen. Bis dahin gleichen die Gebäude vielen Fachwerkbauten in Deutschland, bei denen neben Rot oft Schwarz als Farbe für die Balkenkonstruktion und Weiß für die Fenster verwendet wird. Erst beim Grün kommt die wesentliche Komponente hinzu, die aus dem Schwarz und Weiß den typischen Dreiklang macht. In Grün sind die Schlagläden und meistens auch die Haustüren gestaltet.

Am genauen Ton dieser Farbe scheiden sich jedoch die Geister, denn einen einheitlichen Wert gibt es hierbei nicht. In manchen Orten wird ein leicht ins Gelbliche gehender Grünton verwendet, in manchen Orten geht er eher ins Bläuliche. Auch kann er heller oder dunkler sein, wobei die hellere Variante dann als Bergischgrün-hell und die dunklere Bergischgrün-dunkel bezeichnet wird. Manchmal sind nicht einmal an einem einzigen Gebäude die Grüntöne einheitlich: So haben einige Hausbesitzer bewusst für die Schlagläden einen helleren Farbton als für die Eingangstüren gewählt.

Das Bergischgrün war ursprünglich ein chemisch enger Verwandter des sogenannten Schweinfurter Grün – eine Farbe, die wegen ihres Gehalts an giftigem Arsen Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Verkehr gezogen wurde. Das Schweinfurter Grün war seit Anfang des 19. Jahrhunderts in der Region Schweinfurt industriell hergestellt worden. Der Name bezeichnete keinen speziellen Farbton, sondern eine Gruppe von Grüntönen, die alle auf einer Kupfer-Arsen-Verbindung beruhten. Im Jahr 1882 wurde in Deutschland die Verwendung der Verbindung als Farbstoff verboten – eingesetzt wurde sie seither nur noch als Insektizid.

Haus in Solingen, Foto: Frank Vincentz, CC-Lizenz

Mit dem Verbot musste auch im Bergischen Land nach Ersatz für den einst giftigen Farbstoff gesucht werden. Ob damit erst die verwirrende Vielfalt an Grüntönen entstand, wie einige Heimatforscher vermuten, oder ob es schon vorher mehrere Varianten von Bergischgrün gegeben hatte, darüber lässt sich nur noch spekulieren. Sicher ist: In vielen Orten gibt es heute genaue Vorstellungen, wie der richtige Grünton auszusehen hat. Das reicht bis in die Gestaltungssatzungen hinein, die von den örtlichen Denkmalbehörden erlassen werden und in denen die für schützenswerte Gebäude zu verwendenden Grüntöne als Werte im RAL-Farbsystem angegeben sind.

So definiert etwa die Stadt Mettmann Bergischgrün als eine Mischung von RAL 6026 und RAL 6029 im Verhältnis eins zu eins. Im historischen Kern des Remscheider Stadtteils Lüttringhausen hingegen wird unterschieden zwischen Bergischgrün-hell mit RAL 6024 und Bergischgrün-dunkel, RAL 6004. Hier ist die bereits erwähnte farbliche Trennung von Fenster und Tür sogar Bestandteil der Gestaltungssatzung, denn die Türblätter werden in dem dunkleren Grünton gestaltet. (ud)