Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

18.02.2009

Blau macht kreativ, Rot schärft den Blick für Details

Wissenschaftler untersuchen den Einfluss von Farben auf die kognitiven Fähigkeiten

Wer wünscht sich nicht, die eigene Kreativität auf Knopfdruck zu steigern. Einen möglichen Ansatz dafür haben jetzt kanadische Psychologen gefunden: Die Forscher wiesen in Experimenten nach, dass Blau Innovationskraft und Kreativität steigern kann. Rot regte die Versuchspersonen dagegen zu mehr Aufmerksamkeit und Detailtreue an. Die Wissenschaftler sehen darin eine kulturelle Anpassung unseres Gehirns.

Blaues Licht kann helfen, die Kreativität zu steigern. Foto: cbdemme, Photocase.com
Blaues Licht kann helfen, die Kreativität zu steigern. Foto: cbdemme, Photocase.com

Rot begegnet uns im Alltag häufig in Form von Verboten und Warnungen. Stoppschilder, der Rotstift bei der Korrektur oder die roten Zahlen bei Verlust – all das trainiert das Gehirn darauf, bei Rot besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen. Im Gegensatz dazu verbinden viele Menschen Blau mit Assoziationen von Weite und Offenheit, berichtet die Forschungsleiterin Juliet Zhu von der kanadischen University of British Columbia in Vancouver. Ein blauer Himmel oder der blaue Ozean erwecken demnach eher Bilder von Ruhe und Gelassenheit.

In verschiedenen Experimenten wollten die Forscher klären, ob die unterschiedlichen Assoziationen auch tatsächlich Auswirkungen auf die Gehirnleistung haben. Dazu ließen sie die insgesamt 600 Teilnehmer, allesamt Studenten der Universität, mehrere Denkaufgaben absolvieren. Die Probanden mussten unter anderem Adresslisten auf ihre Korrektheit überprüfen oder Einsatzmöglichkeiten für Bauklötze ersinnen. Die meisten der Experimente fanden dabei auf einem Computerbildschirm statt – so konnten die Forscher die Hintergrundfarbe leicht ändern.

Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Teilnehmer, die vor einem blauen Hintergrund arbeiteten, waren deutlich kreativer und einfallsreicher. Bei einem Brainstorming produzierten sie rund doppelt so viele Begriffe wie die Versuchspersonen, deren Bildschirmhintergrund rot gefärbt war. Diese wiederum schenkten Details wesentlich mehr Aufmerksamkeit.

So fanden Probanden mit roten Hintergrund Werbespots wesentlich attraktiver, wenn darin genaue Beschreibungen des Produkts enthalten waren. In der blauen Gruppe kamen dagegen diejenigen Werbefilme besonders gut an, die nur lose Assoziationen zum beworbenen Produkt aufwiesen. In der Werbebranche sehen die Forscher daher auch Einsatzmöglichkeiten für ihre Ergebnisse.

Aber auch im alltäglichen Leben könnten die neuen Erkenntnisse nützlich sein, glauben die Wissenschaftler um Zhu. Ist für ein Produkt besondere Aufmerksamkeit nötig, beispielsweise für den Beipackzettel eines Medikaments, könne eine entsprechende farbliche Untermalung hilfreich sein. Ihre Ergebnisse wollen die Forscher auch in die Farbgestaltung von Schulen und anderen Erziehungsstätten einfließen lassen, da auch hier besondere Detailgenauigkeit gefragt sei.

Ob sich aus den Forschungen auch schließen lässt, dass die Kombination von Rot und Blau besonders unharmonisch wirkt, erläutern die Forscher in ihrer Arbeit nicht. Allerdings gibt es auch darauf Hinweise. So mancher dürfte noch das alte Sprichwort kennen: "Rot und Blau, das trägt nur des Kasperles Frau". (zen)

Weitere Informationen:

Originalarbeit der Wissenschaftler