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05.06.2013

Blau und Grün gegen Blutrot

Warum OP-Kleidung nicht weiß, sondern farbig ist

Von Ärzten sprechen manche als "Halbgötter in Weiß". Doch wenn es in den Operationssaal geht, tauschen diese ihre weißen Kittel gegen grüne, blaue oder türkise OP-Kleidung aus. Dieser Farb- und Kleiderwechsel hat mehrere Gründe. Auf manche Erklärungen kommt man nicht auf Anhieb, manche dagegen sind sogar ziemlich banal.

Blau ist in vielen Kliniken die Farbe der Chirurgen. Foto: public domain
OP-Kleidung, Foto: public domain

Blutflecken stechen auf Grün oder Blau nicht so stark hervor wie auf Weiß: Diese Begründung für die farbigen OP-Textilien ist weitverbreitet – doch ganz schlüssig ist sie nicht. Wer im Operationssaal arbeitet, darf ohnehin keine Scheu vor Blutspuren haben, ob vor einem weißen Hintergrund oder nicht. Und die meisten Patienten bekommen von den Ärzten und ihrer Kleidung im OP ohnehin nichts mit. Außerdem wird kein Arzt mit einem Kittel voller Blut den Operationssaal verlassen und sich so den Blicken von Patienten oder Klinikbesuchern aussetzen.

Ein viel wichtigeres Argument für blaue oder grüne OP-Kleidung ist hingegen, dass die Farbe Weiß das Licht besonders stark reflektiert. In dem extrem hellen OP-Licht könnte ein Blick auf den weißen Kittel des Gegenübers schnell zur Blendung und schließlich auch zur Ermüdung führen. Daher sind auch die Tücher, mit denen die Patienten bei der Operation bedeckt werden, in Blau oder Grün gehalten.

Mit den farbigen Kleidern und Tüchern kann noch ein weiterer optischer Störeffekt vermieden werden: Schaut ein Operateur auf eine weiße Oberfläche, nachdem er lange in eine blutige und daher rote Wunde geblickt hat, so kann auf dem Weiß ein farbiges Nachbild erscheinen. Da Grün die Komplementärfarbe zu Rot ist, sieht der Operateur ein grünes Nachbild. Während diese Sinnestäuschung auf einem weißen Stoff möglicherweise als störend empfunden würde, fällt sie vor einem grünen Hintergrund überhaupt nicht auf.

Auch Türkis und Grün sind in den OP-Sälen weitverbreitete Farben. Foto: Reytan, CC-Lizenz
OP-Kleidung, Foto: Reytan, CC-Lizenz

Es gibt jedoch auch einen ganz banalen Grund für farbige OP-Kleidung: In allen Krankenhäusern muss diese strikt getrennt von der übrigen anfallenden Wäsche gereinigt und desinfiziert werden – sofern sie nicht in der Müllverbrennungsanlage landet. Die Farben helfen dabei, die verschiedenen Wäscheströme voneinander zu trennen.

Viele Kliniken haben dabei ihren eigenen, individuellen Farbcode. In vielen Krankenhäusern tragen die Chirurgen Blau, die Anästhesisten Grün und das Personal auf den Intensivstationen Gelb. Manchmal orientiert sich die Trennung auch am Infektionspotenzial des Eingriffs: Grün tragen in manchen Kliniken Ärzte, die mit infiziertem Gewebe arbeiten. Manche Kliniken hingegen setzen auf Einheitskleidung für das gesamte OP-Personal einschließlich Ärzten, Assistenten und Schwestern oder Pflegern. Damit könne der Teamgeist gestärkt und die Zusammenarbeit an der gemeinsamen Aufgabe verbessert werden.

Trotz der intensiven Farben im OP ist der sprichwörtliche "weiße Kittel" aus dem Krankenhausalltag nicht wegzudenken: Ärzte tragen ihn außerhalb des Operationsbereichs – wodurch auch jeder gleich sieht, dass sie den OP-Bereich verlassen und die potenziell infektiöse OP-Kleidung abgelegt haben. (ud)