14.01.2009
Den Geheimnissen ägyptischer Farben auf der Spur
Alte ägyptische Pigmente werden erstmals in einem Labor rekonstruiert
In Ägypten ist es Restauratoren verboten, Proben für wissenschaftliche Untersuchungen von Kunstwerken zu entnehmen. Nur in seltenen Fällen macht die Regierung eine Ausnahme, wie nun bei der Restaurierung der Wandmalereien in den Gräbern von Gharbi in Assuan. Daraus erhoffen sich Forscher neue Erkenntnisse über die Ursprünge der Pigmente und die Restaurierung der mehrere Jahrtausende alten Kunstwerke.

Etwa 3.400 Jahre alt sind ägyptische Wandgemälde wie hier im Grab des ägyptischen Beamten Nacht und seiner Frau. Restauratoren stellten solche Bilder bisher vor große Schwierigkeiten. Foto: wikipedia.de (public domain)

Die Wandgemälde im Grab von Nacht zeigen den Beamten, wie er Bauern bei ihren typischen Tätigkeiten beobachtet. Foto: wikipedia.de (public domain)
Bunt bemalte Steinskulpturen, farbige Stein- und Keramikgefäße, Wandmalereien und mit Zeichnungen versehene Papyri –mithilfe dieser Kunstwerke glaubten Wissenschaftler schon im 19. Jahrhundert geklärt zu haben, welche Pigmente die Künstler im alten Ägypten verwendeten. Und davon nutzten die Künstler bereits eine Menge: Gelber sowie roter Ocker und Rötel zählten zu den gerne und häufig verwendeten Erdpigmenten. Durch Mahlen von Mineralien wie Azurit, Malachit, Auripigment, Paratacamit und Lapislazuli gewannen die Ägypter Mineralpigmente. In chemischen Reaktionen stellten sie sogar synthetische Pigmente wie Ägyptisch Blau, Ägyptisch Grün und Smalte künstlich her. Mit Kohlenstoffpigmenten setzten sie auf ihren Werken schwarze Akzente.
Obwohl diese umfangreichen Kenntnisse vorhanden waren, waren jedoch die Bemühungen, alte ägyptische Wandmalereien zu restaurieren, bisher nie vom richtigen Erfolg gekrönt. Dies hing nicht zuletzt damit zusammen, dass es verboten war, aus den alten Kunstwerken Proben zu entnehmen und damit genauere und intensivere Forschung zu betreiben. Forscher des Labors Isad mit Sitz im sizilianischen Trapani haben nun von Ägyptens oberster Behörde für Altertümer eine solche Genehmigung erhalten. In einer Grabkammer in Gharbi bei Assuan rekonstruieren die Forscher nun die alten Farben ägyptischer Wandgemälde in einem modernen Labor. Aus den Ergebnissen wollen Restauratoren lernen und endlich das Geheimnis effektiver Restaurierung lüften.
Sie erhofften sich, mehr über die Herkunft der Farben und den Grund für ihre Vergänglichkeit, insbesondere für ihre Verblassung zu erfahren. Ursprünglich hatten die Forscher angenommen, die Pigmente basieren auf Erdfarben, sodass die Farbverblassung für sie unerwartet und unerklärlich war.
Ein Labor in Kairo fand nach einer ersten Untersuchung der Proben zunächst heraus, dass die Farben aus einer Reihe unterschiedlichster Mineralien bestehen – eine Überraschung: Die bisherige Annahme, die Künstler führten die Wandmalereien mit Erdfarben aus, war also ein Irrglaube und ein Grund dafür, dass zahlreiche Versuche, die alten Gemälde zu konservieren, bislang unbefriedigend gewesen waren. Die genaue Zusammensetzung der mineralischen Pigmente ermittelt derzeit ein weiteres Labor in Padua. So wollen sie herausfinden, welche Techniken für die Restaurierung von Wandmalereien am besten geeignet sind. Die im Labor in Padua rekonstruierten ägyptischen Pigmente der Grabkammer in Gharbi sollen dafür verwendet werden, um bedeutende Wandmalereien in weiteren ägyptischen Gräbern wie von Tutanchamun, Ramses und Nefertiti zu restaurieren. (an)


