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01.05.2013

Die Farbe der Arbeiter

Warum Rot seit fast zweihundert Jahren das Symbol der Arbeiterbewegung ist

"Brüder, seht, die rote Fahne weht uns kühn voran, um der Freiheit heil´ges Banner schart euch, Mann für Mann." So beginnt eines der einst bekanntesten Lieder der deutschen Arbeiterbewegung. Die aus dem Jahr 1921 stammende Übersetzung eines amerikanischen und britischen Streiklieds war vor allem in der Weimarer Republik populär. Große Bedeutung in diesem Lied hat die Rote Fahne als Symbol der Arbeiterbewegung. Doch dieses Zeichen hatte bereits damals eine fast hundertjährige Tradition.

Rote Fahnen wehten überall bei den ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden Arbeitervereinen. Repro: public domain
Arbeiterverein, Foto: public domain

Die Geschichte der roten Fahne beginnt bereits im Jahr 1830, dem Jahr des sogenannten Aachener Aufruhrs. Arbeiter einer Tuchfabrik versammelten sich am 30. August, um gegen Lohnabzüge und für bessere wirtschaftliche Bedingungen zu demonstrieren. Der Aufruhr wurde noch am selben Tag von einer Bürgerwehr beendet, doch erstmals – so sagen Historiker – hatten hier Arbeiter in Deutschland eine rote Flagge als Zeichen ihres Widerstands gehisst.

Warum diese Flagge jedoch ausgerechnet rot war, dafür lässt sich heute keine schlüssige Erklärung mehr finden. Mehrfach heißt es hierzu, das Rot symbolisiere den oftmals blutigen Kampf, den die Arbeiter für ihre Rechte und ihre Freiheit führten. "Rot ist das Tuch, das wir entrollen, klebt doch des Volkes Blut daran", heißt es denn auch in einem polnischen Arbeiterlied von 1881, das von Rosa Luxemburg später auf Deutsch nachgedichtet wurde.

Auch während der Revolution in Frankreich 1848 kam es zu Rivalitäten zwischen aufständischen Arbeitern, deren Symbol die rote Fahne war, und bürgerlichen Revolutionären mit der Trikolore, wie dieser Ausschnitt aus einem Gemälde von Felix Henri Philippoteaux zeigt. Repro: public domain
Gemälde aus Paris, Repro: pubilc domain

Unter einer roten Fahne versammelten sich auch 1844 die Arbeiter beim sogenannten Schlesischen Weberaufstand – ein Ereignis, das Gerhart Hauptmann fünfzig Jahre später in seinem Drama "Die Weber" literarisch verarbeitete. Zum populären Symbol wurde die rote Fahne jedoch erst in den Revolutionsjahren 1848/49. Diese Jahre werden meist vor allem mit den Aufständen der Bürger in Verbindung gebracht, die für Freiheit und Demokratie eintraten. Doch zu den revolutionären Kämpfern gehörten auch Arbeiter, die sich für ihre Recht einsetzten. Für sie war die rote Fahne ein "offensives Symbol", das sie dem vom Bürgertum beanspruchten Schwarz-Rot-Gold entgegensetzten, erklärt der Tübinger Volkskundler Gottfried Korff.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Rot immer mehr zum Symbol der Arbeiterbewegung, unter anderem als Fabr der Fahne des 1863 gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV). Das Rot wurde damit zur Farbe der Sozialdemokratie, aber auch die in den folgenden Jahrzehnten aufkommenden sozialistischen und kommunistischen Bewegungen wählten die rote Fahne zu ihrem farbigen Symbol.

Rote Fahnen sind im kommunistisch geprägten China noch immer allgegenwärtig.
Rote Fahnen, Foto: tuchodi

So kommt es, dass einige Staaten, deren Gesellschaftsform der Kommunismus oder Sozialismus ist, rote Flaggen haben. Darunter ist die Flagge der – heute nicht mehr existierenden – Sowjetunion, versehen mit Hammer und Sichel als Symbole für Arbeiter- und Bauernschaft, die chinesische Flagge mit den fünf gelben Sternen und die Flagge Nordkoreas mit einem roten Mittelbalken und darin der rote Stern auf weißem Grund.

Auch in Deutschland blieb Rot die Farbe der Sozialdemokratie und des Sozialismus: So kommt es, dass sowohl die SPD, die längst eine Volkspartei geworden ist, der sich nicht nur Arbeiter zugehörig fühlen, als auch die "Linke" die Farbe Rot als prägende Parteifarbe haben. (ud)