09.11.2016

Die Grüne Minna und ihre schwarze Schwester

Schon bevor die Polizei grün war, wurden Übeltäter in grünen Wagen transportiert

Sie ist heute längst nicht mehr grün, doch vielerorts heißt sie immer noch so: die Grüne Minna, ein Polizeitransporter, der verurteilte Übeltäter von A nach B oder gefasste Verdächtige ins Gefängnis oder zum Gericht transportiert. Die Bezeichnung ist über hundert Jahre alt. Sie bezieht sich allein auf die Funktion und steht dabei überhaupt nicht für ein bestimmtes Fahrzeug.

So haben viele Deutsche die grüne Minna in Erinnerung, die jedoch nach und nach aus den Stadtbildern verschwinden wird. Foto: Hsing Wei, CC-Lizenz
Grüne Minna

Wilhelmine war im preußischen Berlin Ende des 19. Jahrhunderts ein häufiger Name. Die eher herablassend gebrauchte Kurzform lautete Minna – ein häufiger Name gerade bei den Dienstmädchen, die damals bei den besser betuchten Familien unabdingbar waren. "Ach du dicke Minna!" als Ausruf des Erstaunens hat sich aus dieser Zeit im deutschen Sprachgebrauch ebenso erhalten wie der Ausspruch "Jemanden zur Minna machen", was soviel heißt, wie jemanden kleinmachen und herabzusetzen.

Zur "Minna gemacht" wurden auch jene, die zur dieser Zeit von der Polizei zwangsweise abtransportiert wurden. Und dies geschah damals im Berlin der Kaiserzeit in grünen, von Pferden gezogenen Wagen. Wie meistens bei solchen Redensarten lässt sich zeitlich nicht genau verorten, wann der Begriff der "Grünen Minna" zum ersten Mal in diesem Zusammenhang auftauchte.

Sicher ist: Es blieb bei der Bezeichnung, auch als die Pferdewagen längst verschwunden waren – nicht zuletzt, weil die grüne Farbe der Transporter vielfach auch für die motorisierten Nachfolger verwendet wurde. Ein prominentes Beispiel aus der Literatur ist Erich Kästners 1929 erschienener Roman "Emil und die Detektive", in dem der Dieb und Bankräuber Grundeis schließlich in "eine grüne Minna verfrachtet und weggebracht wird", wie Kästner schreibt.

Diese "Black Maria" aus dem Jahr 1909 brachte in Minnesota Delinquenten ins Gefängnis. Foto: public domain
Black Maria.

Die Bezeichnung hielt sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg – so fest war sie bereits im kollektiven Sprachgebrauch der Deutschen verankert. Hinzu kam, dass in dieser Zeit die Farbe Grün in manchen Bundesländern nach wie vor zur Polizei gehörte. Als ab 1974 die Polizei bundeseinheitlich grün wurde, bekam natürlich auch der Begriff der grünen Minna neuen Auftrieb. Heute ist die Polizei wieder überall blau – die Redensart von der grünen Minna gibt es aber immer noch.

Im Südwesten Deutschlands, wo der Vorname Minna von jeher weniger geläufig war, hat sich bis heute ein ähnlicher Begriff gehalten: Das "grüne Wägele", das weniger Delinquenten transportiert als Menschen, die zwangsweise in die Psychiatrie eingeliefert werden sollen, ist hier ein stehender Begriff.

Die grüne Minna hat im englischen Sprachraum hingegen eine Schwester: Die "Black Maria" befördert in den USA, aber auch in Großbritannien, Irland und Neuseeland bis heute Delinquenten ins Gefängnis. Schwarz ist hier die traditionelle Farbe dieser Gefangenentransporter, und worauf sich der Name Maria hier ableitet, darüber gehen die Aussagen auseinander.

Der Name soll auf eine dunkelhäutige Pensionsbesitzerin aus Boston zurückgehen, die so resolut aufgetreten sein soll, dass ein Gefängnisaufenthalt angenehmer war als der Aufenthalt in ihrem Etablissement. Andere Quellen sprechen von einem schwarzen Rennpferd als Namensgeber, wobei der Zusammenhang zwischen Pferd und Gefängniswagen im Dunkeln bleibt. (ud)