23.04.2014

Die Rückkehr des Mondänen

Der Farb- und Trendforscher Axel Venn über die Farbtrends des Jahres 2014

Die Farben des Art decò mit intensiven, sinnlichen und mondänen Tönen kommen zurück: Purpur, Violett, Lapislazuli, intensives Grün und vor allem warme, metallische Oberflächen wie Bronze prägen den Einrichtungsstil des Jahres 2014, erklärt der Farb- und Trendforscher Axel Venn. "Die Sehnsucht nach Gewachsenem, nach Natürlichkeit und nach Farben mit einer gewissen Historie ist groß", konstatiert der Designer und Farbkünstler.

Mit solchen Grüntönen kehren typische Farben des Jugendstils zurück – reliefartige Wandgestaltungen tragen dabei zum mondänen Eindruck bei. Foto: Brillux
Purpur, Foto: Brillux

Statt sachlicher Nüchternheit und fadem Purismus sieht Venn ein wachsendes Interesse an üppigen, mondänen Farben und Formen. Nicht umsonst besuchten jährlich fast 1,5 Millionen Menschen das Schloss Neuschwanstein – mit all seinem "Kitsch und Schwulst", wie es Venn formuliert. Dieser Trend zurück zum Mondänen bedeutet unter anderem die Rückkehr zu Farben, wie sie im Jugendstil und später im Art decò beliebt waren: Dazu gehören intensive Grüntöne wie Jadegrün – oft in Kombination mit großblättrig-floralen Mustern – tropische Farben wie intensives Rot, Purpur und Blau wie Atlantik- oder Pazifikblau.

Wichtig sei den Menschen dabei, mit den Farben auch gewisse Inhalte zu verbinden: Grüntöne etwa brächten den Bezug zu allem, was einmal pflanzlich war. "Das hat mit der Wiederherstellung einer natürlichen Idee zu tun", sagt Venn. Purpur, Lapislazuli, Violett und Jadegrün hingegen sind Farbtöne mit einem historischen Kontext – denkt man etwa an das Purpur der römischen Senatoren und kirchlicher Würdenträger, an die uralte Geschichte von Lapislazuli als Schmuckstein oder an das Jadegrün als zentrale Farbe von Wandbildern des Jugendstils.

Purpur ist eine der Trendfarben des Jahres 2014 und wirkt mit metallisierenden Effekten ganz besonders. Foto: Brillux
Purpur, Foto: Brillux

Mit dem Wunsch nach sinnlichem Farberleben einher geht auch das Bedürfnis nach weiteren Reizen: So seien etwa opalisierende oder metallisierende Optiken gefragt und würden als Teil der Farbigkeit gesehen, erklärt Venn. Dazu gehörten beispielsweise mattierte oder seidige Oberflächen, sanfte Perlmuttoptiken und vor allem der Einsatz von Metallen: "Die Sehnsucht nach Metallen ist groß", konstatiert der Farbforscher. Gemeint sind damit nicht etwa kaltes Chrom oder Silber, sondern warme Bronzetöne, die zum Teil auch sehr dunkelbraun ausfallen können.  

Nicht zuletzt spiele neben dem Farbton auch das Fühlerlebnis eine immer größere Rolle: Die Menschen liebten Objekte mit ansprechender Haptik – was nicht nur für Einrichtungsgegenstände wie etwa Lampen gelte, sondern auch für Tapeten oder Wandbeschichtungen.

Bronzetöne gehören zu den wichtigsten aktuellen Trends bei der Farbgestaltung. Foto: Brillux
Bronzetöne, Foto: Brillux

Die Farbe von Oberflächen als Erlebnis: Das sollte laut Venn ein zentrales Thema im Design der Zukunft sein. Als Beispiel nennt er thermochrome Oberflächen, die mit der Temperatur ihre Farbe verändern – oder Beschichtungen, die ihr Erscheinungsbild bei Nässe verändern, oder die bei Nacht von selbst zu leuchten beginnen. So könnten leuchtende Türklinken oder Treppenstufen Menschen in Altersheimen oder Krankenhäusern bei der Orientierung helfen, und Kaffeekannen könnten ihre Nutzer mit der Funktion begeistern, ihre Farbe je nach Temperatur und Füllstand zu verändern.

Venn plädiert dafür, auch in der Gestaltung von Fassaden den Einsatz innovativer Produkte zu wagen: "Was wäre das faszinierend, wenn sich bei einer Fassade die Farbe verändern würde", erklärt er. Im Weg stehe solchen Trends nicht zuletzt auch der Purismus, der bei vielen Architekten längst zu einem Dauerphänomen geworden sei und der ignoriere, dass die Menschen eben "das Barocke und das Pompöse lieben". (ud)