06.09.2017

Die Welt mit anderen Augen sehen: Vögel

Perfekt angepasste Flieger mit enormen Fähigkeiten: große Augen mit Anpassungen, von denen wir Menschen nur träumen können.

Der Grad an UV-Reflexion im Gefieder der Blaumeise spielt eine Rolle bei der Wahl von potenziellen Fortpflanzungspartnern. Sie nehmen das UV-Licht wahr und nutzen dieses Signal als Information über den möglichen Partner.

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Der Grad an UV-Reflexion im Gefieder der Blaumeise spielt eine Rolle bei der Wahl von potenziellen Fortpflanzungspartnern. Sie nehmen das UV-Licht wahr und nutzen dieses Signal als Information über den möglichen Partner.

Wie kein anderes landlebendes Wirbeltier sind Vögel auf ihre Augen angewiesen. Denn ein hochentwickelter Sehsinn ist für Vögel überlebenswichtig. Er ermöglicht die Futtersuche, die Identifikation von Artgenossen, und somit potenziellen Fortpflanzungspartnern sowie das Erkennen von Fressfeinden.  Ein Größenvergleich des Auges verdeutlicht die Bedeutung der Sehkraft für Vögel: Macht es beim Menschen gerade einmal 5 % des Schädelvolumens aus, sind es bei Vögeln bis zu 50 %. Doch auch ihre Fähigkeit, Farben wahrzunehmen, ist im Gegensatz zu anderen Wirbeltieren wie Hunden, Katzen oder Menschen stark ausdifferenziert. 

Ursache dieses ausgeprägten Farbsehens ist das Vorhandensein eines zusätzlichen Photorezeptors. Photorezeptoren befinden sich in der Netzhaut des Auges und haben verschiedene Aufgaben. Die sogenannten Stäbchen sind verantwortlich für Dämmerungs- und Nachtsehen, die sogenannten Zapfen werden hingegen für Tagessehen, und somit für die Wahrnehmung von Farben benötigt. Bei uns Menschen gibt es drei Zapfentypen, die für Licht verschiedener Wellenlängen empfindlich sind und uns die Wahrnehmung von schätzungsweise 2,3 bis 10 Mio. Farben ermöglichen. Vögel besitzen sogar einen vierten Zapfentyp, weshalb sie, im Gegensatz zu uns trichromatischen Menschen, zu tetrachromatischem Farbensehen fähig sind.

Raufußbussarde sind in der Lage, UV-reflektierende Urin- und Kotspuren ihrer Beute wahrzunehmen. Durch diese Fähigkeit können sie bereits im Flug über ein Feld die Dichte an Wühlmäusen in einem Gebiet abschätzen.

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Ein weiterer Mechanismus verbessert die Feinabstimmung im Farbensehen der Vögel weiter. Denn in den Zapfen befinden sich kleine, verschiedenfarbige Öltröpfchen, die wie Filter wirken. Trifft Licht auf die Netzhaut, muss es zuerst die Öltröpfchen durchdringen, bevor es zu den Zapfen gelangt. Auf diese Weise kann die Rückmeldung der Zapfen durch die Absorptionsspektren der verschiedenen Öltröpfchen weiter verfeinert werden. 

Der vierte Zapfentyp der Vögel ermöglicht zusätzlich die Wahrnehmung von Licht im ultravioletten Spektrum oder nahe diesem Bereich. Diese Fähigkeit nutzen einige Arten, wie die Meise, zur Kommunikation. Sie können die UV-Signale im Gefieder ihrer Artgenossen als Signal für die Attraktivität des potenziellen Fortpflanzungspartners interpretieren. Andere nutzen das UV-Sehen für die Nahrungssuche, um die Reife von Früchten zu beurteilen. Auch für die Jagd hat diese Fähigkeit einen Nutzen. Turmfalken und Raufußbussarde sind in der Lage, UV-reflektierende Urin- und Kotspuren von Wühlmäusen wahrzunehmen. So können sie schon im Überflug des Feldes wahrnehmen, wie viele Wühlmäuse sich dort aufhalten, und entscheiden, ob die Jagd dort lohnenswert ist.

Allerdings sind nicht alle Vögel in der Lage, UV-Licht wahrzunehmen. Solche, die Zapfen besitzen, die aber das ultraviolette Spektrum selbst nicht wahrnehmen können wie bspw. Raben, Mauersegler oder Rotmilane, sind wie der Mensch für solche Signale blind. Daher werden sie häufig Opfer von Kollisionen mit UV-markierten Glasfronten. Dieses Glas ist, um den Vogelschlag, d.h. das Kollidieren eines Vogels mit der Scheibe, zu verhindern, mit UV-Markierungen versehen. Wissenschaftlichen Nachweisen für das Fehlen von UV-Sehen bei einigen Vögeln zum Trotz, wird dieses Produkt noch immer produziert und als wirksam gegen Vogelschlag an Glas verkauft.

Der Rotmilan zählt zu den Vögeln, die nicht in der Lage sind UV-Licht wahrzunehmen. Licht dieses Spektrums ist für ihn, wie für den Menschen, unsichtbar.

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Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Flächen kostet somit, ihrem ausgezeichneten Sehvermögen zum Trotz, immer wieder das Leben vieler Vögel. Jedes Jahr verenden in Deutschland über 18 Mio. Vögel an den Folgen der Kollisionen. Da sie nicht in der Lage sind, das transparente Glas oder die Spiegelungen in der Scheibe von der wahren Umgebung zu unterscheiden, sterben sie häufig an den Folgen des Aufpralls. Der Bund für Naturschutz und Umwelt NRW hat es sich mit seinem Projekt „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen“, gefördert durch die Stiftung für Umwelt und Entwicklung NRW, zur Aufgabe gemacht, über diese Problematik und einfache Lösungsansätze für Städte, Gewerbe, Architekten, Bauherren und Privatpersonen aufzuklären. Kostenlose Beratungsangebote sowie weitere Informationen werden auf der Homepage www.vogelsicherheit-an-glas.de angeboten.