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28.01.2009

Die alte Angst vor roten Zahlen

In der Buchhaltung bedeutet die Farbe Rot seit Jahrhunderten nichts Gutes

Die Wirtschaftskrise beherrscht die Schlagzeilen und ein Begriff taucht dabei immer wieder auf: die roten Zahlen. Doch warum verbreiten gerade diese Angst und Schrecken? Und warum künden ihre schwarzen Doppelgänger von Wohlstand?

Schwarze Zahlen sind erfreulich, wenn es um Finanzen geht – leider sind jedoch auch die roten Zahlen derzeit allgegenwärtig. Foto: klosko, photocase.com
Foto: klosko, photocase.com

Ausgerechnet das Rot, die Farbe der Liebe und der Leidenschaft, steht in der Finanzwelt für Verluste. Verantwortlich dafür sind Italiener, auch wenn sie dem Rot in Form der legendären Autos von Ferrari eigentlich eine seiner schönsten Assoziationen verliehen haben. Doch die Geschichte der roten Zahlen beginnt schon lange vor dem Autozeitalter.

Als Vater der roten Zahlen gilt ein gewisser Luca Pacioli. Der um 1445 in der Toskana geborene Franziskanermönch war ein Zeitgenosse Leonardo da Vincis. Pacioli und da Vinci waren sogar miteinander befreundet und arbeiteten gemeinsam an der Lösung mathematischer Probleme. Während Leonardo da Vinci mit seinen Gemälden und Erfindungen zu Weltruhm gelangte, erregte Paciolis Arbeit zwar weniger Aufsehen, war aber dennoch von nachhaltigem Erfolg gekrönt.

Bis heute beruft sich die moderne Finanzbuchhaltung auf den italienischen Mönch, denn dieser hielt die Grundzüge der so genannten doppelten Buchführung erstmals in schriftlicher Form fest. Einer der wichtigsten Kniffe bei der doppelten Buchführung besteht in der zweifachen Dokumentation jedes Geschäftsvorganges. Jedes Geschäft wird dabei doppelt erfasst, einmal als Soll und einmal als Haben.

Die Zahl der Einträge in ein Kontobuch verdoppelt sich auf diese Weise natürlich. Um bei all den Zahlen und Geschäften dennoch den Überblick zu behalten, ersannen die italienischen Kaufleute, die Paciolis neue Methode schnell übernahmen, eine so einfache wie geniale Methode: Sie schrieben die Zahlen, die auf der Habenseite verbucht wurden, in schwarzer Tinte, während Soll-Ziffern in Rot geschrieben wurden.

Der Begriff "rote Zahlen" hat sich damit seit dem Mittelalter in der Sprache erhalten. Dabei werden die roten Zahlen nicht nur im Deutschen geschrieben. Auch im Englischen gerät man "in the reds", und bei den Franzosen deuten sich mit "dans le rouge" schlechte Aussichten für das Geschäft an. Kaufleute mit roten Zahlen in den Büchern interessieren sich freilich meist für eine ganz andere Farbe – die des grünen Zweiges, der häufig so schwer zu erreichen ist. Wenn sie lediglich ein wenig Glück haben, erzielen sie wenigstens eines: die viel zitierte "schwarze Null". (zen)