Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

12.01.2011

Edel ganz ohne Glanz

Matte Autolacke erfreuen sich gerade bei Luxusfahrzeugen einer immer größeren Beliebtheit
"Dezent und edel", sagen die Fans. "Sieht billig aus und wie selbst gemacht", fällt hingegen das Urteil mancher Kritiker vernichtend aus: Die Rede ist von matten Autolacken, die derzeit einen Aufschwung erleben – und an denen sich nach wie vor die Geister scheiden. Gerade bei edlen Sportlimousinen, wo viele Jahre schillernder Hochglanz Pflicht war, nehmen die Hersteller zunehmend matte Farbtöne in ihr Sortiment auf und sorgen für heftige Diskussionen auf Automessen und an Stammtischen.

Für viele Luxussportwagen ist inzwischen eine matte Lackierung als Sonderausstattung erhältlich. Foto: Daimler
Für viele Luxussportwagen ist inzwischen eine matte Lackierung als Sonderausstattung erhältlich. Foto: Daimler
Wie bei glänzenden Lackierungen erhalten die professionellen Mattlackierungen eine Schlussbeschichtung mit Klarlack. Diesem werden jedoch Silikatpartikel für den stumpfen Oberflächenlook zugesetzt.
Wie bei glänzenden Lackierungen erhalten die professionellen Mattlackierungen eine Schlussbeschichtung mit Klarlack. Diesem werden jedoch Silikatpartikel für den stumpfen Oberflächenlook zugesetzt.
 

Mattlackierung – Trend vieler Autohersteller

Immer wieder in den vergangenen zwanzig Jahren hatten Autohersteller versucht, auf Automobilschauen mit matt lackierten Einzelstücken Aufmerksamkeit zu erregen. Die Nachfrage nach in Serie gefertigtenFahrzeugen mit Mattlackierung blieb allerdings aus – bis der Autohersteller Daimler 2003 einen in Zusammenarbeit mit dem Edeldesigner Giorgio Armani entstandenen Mercedes CLK in Mattgrau herausbrachte. Der Erfolg des matten Farbtons in dieser sogenannten Armani-Edition motivierte die Stuttgarter Autobauer, das Konzept auszubauen. Inzwischen können mehrere Modelle der Marke in Matt bestellt werden. Neben Grau sind unter anderem Schwarz, ein Sandfarbton namens Sabbia und Kaschmirweiß im Angebot.

Aber auch andere Autobauer sind auf den Trend eingestiegen. So bietet BMW seine Sportlimousine M3 in einer mattschwarzen "frozen black edition" sowie in "frozen grey" an. Audi hat eine mattgraue Version seines Sportwagens R8 GT im Programm, und auch die italienischen Autobauer Alfa Romeo, Fiat und Lancia folgen in Sondereditionen dem Trend zum matten Lack. Doch nicht nur hochpreisige Sportwagen sind in matten Farbtönen zu haben, sondern auch Fahrzeuge aus dem unteren Preissegment: So wird der Kleinwagen Smart jetzt auch in Mattgrün angeboten.

Die Hersteller benötigen für das Lackieren in Matt keine grundlegend neue Technik: Wie ein gewöhnlicher Autolack besteht der matte Lack aus einer Grundierung, einem Füller zum Ausgleich von Unebenheiten, der eigentlichen farbgebenden Schicht und dem abschließend aufgetragenen Klarlack. Letzterem werden Silikatpartikel zugesetzt, die für den stumpfen Oberflächenlook sorgen. Diese Mattierungspartikel müssen jedoch besonders gleichmäßig aufgetragen werden, sonst könnte die Oberfläche fleckig wirken. War bei den ersten matt lackierten Fahrzeugen hier noch Handarbeit gefordert, erledigen heute die Lackierroboter in den Fertigungsstraßen der Autohersteller auch diesen Arbeitsgang.

Lackpflege und Instandsetzung

Auch die Pflege des matten Autolacks fordert besonderen Einsatz: Hartwachs, wie es in vielen Autowaschanlagen zum Einsatz kommt, ist absolut tabu, denn es verschließt die kleinen Poren, die die Rauigkeit der Oberfläche ausmachen. Die Folge: Das edle Matt weicht einem unerwünschten Glanz und – schlimmer noch – die Oberfläche wird ungleichmäßig und fleckig.

Auch Polituren und selbst Schwämme zur Entfernung von Insekten sollten von den Besitzern matter Autos daher gemieden werden, denn auch sie können zu einem Materialabtrag führen und die stumpfe Oberfläche glänzend machen. Empfohlen wird daher schlichtweg der Einsatz von Wasser und Seife, oder es wird auf spezielle Trockenreinigungsmittel für matte Lacke zurückgegriffen, die bereits auf dem Markt sind.

Schwierig ist auch die Reparatur kleiner Lackschäden. Herkömmliche Lackstifte zum Ausbessern von Steinschlägen und kleinen Kratzern können nicht eingesetzt werden, da sie Unterschiede in der Mattierung zur Folge haben. Auch das sogenannte Beilackieren kleiner, beschädigter Flächen ist nicht möglich, da deren Erscheinungsbild nicht durch Polieren an das noch originallackierte Blech angeglichen werden können. Letztlich bleibt oft nur eine Nachlackierung größerer Bereiche.

Die Ausbesserung von hochwertigen Mattlackierungen ist nicht weniger anspruchsvoll als bei glänzenden Varianten. Die Schwierigkeit liegt auch hier darin, den einheitlichen Oberflächeneindruck zu bewahren.
Die Ausbesserung von hochwertigen Mattlackierungen ist nicht weniger anspruchsvoll als bei glänzenden Varianten. Die Schwierigkeit liegt auch hier darin, den einheitlichen Oberflächeneindruck zu bewahren.
Matter Lack – das assoziieren viele Menschen mit verwitterten und ausgeblichenen Fahrzeuglacken. Die vermehrt ab Werk matt lackierten Sportwagen sorgen daher für Kontroversen bei Autofans.
Matter Lack – das assoziieren viele Menschen mit verwitterten und ausgeblichenen Fahrzeuglacken. Die vermehrt ab Werk matt lackierten Sportwagen sorgen daher für Kontroversen bei Autofans.
 

Wo liegen nun die Vorzüge der Glanzlosigkeit?

Der Wunsch, aufzufallen, steht sicherlich bei vielen Besitzern matt lackierter Autos an erster Stelle. Können sie doch damit zeigen, einen besonderen, unkonventionellen Geschmack zu besitzen. Zu hören ist häufig auch das Argument, die matte Oberfläche lasse die Formgebung der Karosserie erst richtig zur Geltung kommen. Doch ob der matte Lack die Autos wirklich besser aussehen lässt, ist letztlich Geschmackssache. (ud)