Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

02.05.2012

Edles Schwarz, schickes Silber

Warum die klassischen Farben für Kameras schwarz oder silber sind

Die Welt ist bunt, doch die Geräte, die diese Buntheit einfangen und festhalten sollen, sind es keineswegs: Kameras sind klassischerweise entweder schwarz oder silber. Das gilt bis heute für die meisten Geräte für den professionellen Einsatz. Allenfalls günstige Kameras für Amateure sind in bunten Farben zu bekommen. Doch warum haben sich Schwarz und Silber als Standardfarben durchgesetzt?

Schwarz und Silber waren bereits vor sechzig Jahren die klassischen Kamerafarben. Foto: André Karwath, CC-Lizenz
Alte Kamera, Foto: André Karwath, CC-Lizenz

Die Fixierung auf diese beide Farben ist keineswegs ein moderner Trend, zeigt ein Blick in die Geschichte der Fotografie: Schon vor hundert Jahren dominierten schwarze und verchromte Geräte die Fotografie – selbst die klobigen Holzkästen, in denen lichtempfindliche Glasplatten eingesetzt wurden, waren oft schwarz lackiert, sofern sie nicht in den Original-Holzfarbtönen gehalten waren.

Dass Schwarz dabei eine so große Bedeutung erlangte, hat zunächst einen praktischen Grund: Ein schwarzes Kameragehäuse erzeugt kein Streulicht, das auf das Motiv fallen und die Aufnahme stören könnte. Deshalb bietet sich eine schwarze Verkleidung für Kameragehäuse an – sei es in Form einer Beschichtung oder auch in Form eines fest aufgeklebten Gewebes, wie man es bei alten Kameras häufig findet. In ihrem Inneren mussten Kameras ohnehin schwarz sein, damit durch ein nicht ganz lichtdichtes Gehäuse eventuell einfallendes Licht möglichst schnell geschluckt wurde. Schließlich steht der Name Kamera ja für "camera obscura" – lateinisch für "dunkles Gewölbe".

Auch der Einsatz von Silber beziehungsweise Chrom hat einen praktischen Grund: Kameragehäuse wurden häufig aus Messing oder Aluminium gefertigt – beides Werkstoffe mit eher weichen und empfindlichen Oberflächen. Während sich Messing beispielsweise durch den Schweiß der Hand grünlich färben kann, können Oberflächen aus Aluminium grau und stumpf werden. Überzogen mit einer Schicht aus Chrom wurden beide Materialien sehr viel widerstandsfähiger.

Bei Spiegelreflexkameras waren früher meist einige Teile des Gehäuses verchromt – heute sind die allermeisten Modelle schwarz. Foto: Ralf Roletschek, GNU-Lizenz
Spiegelreflexkamera, Foto: Ralf Roletschek, CC-Lizenz

Eine solche verchromte Oberfläche war auch haltbarer als eine schwarze Beschichtung, weshalb sich Chrom – ungeachtet der Gefahr von Reflexionen – als zweite Standardfarbe durchgesetzt hat. Als weiteren Vorteil einer Verchromung wird oft noch angeführt, dass die reflektierende Oberfläche einen gewissen Schutz vor Überhitzung durch Sonnenlicht bietet, was bei den hitzeempfindlichen Filmen durchaus ein Faktor sein kann.

Bei den Spiegelreflexkameras ist das Chrom in den vergangenen drei Jahrzehnten jedoch weitgehend verschwunden. Anfang der 1980er-Jahre hatten die meisten Kamerahersteller noch überwiegend Gehäuse mit Chrombauteilen im Programm. Schwarz war dabei meistens nur der untere Teil des Gehäuses, während der Sucher verchromt war. Viele Profimodelle waren damals jedoch ebenfalls schon komplett in Schwarz gehalten – angeblich auch, weil die schwarzen Gehäuse einen unauffälligeren Einsatz der Kamera – beispielsweise bei Reportagen – ermöglichten.

Eine komplett schwarze Kamera galt daher als professionell. So verschwanden die verchromten Spiegelreflexkameras nach und nach weitgehend vom Markt. Dass die schwarze Beschichtung im harten Einsatz gerade an den Kanten der Gehäuse oft schließlich abgescheuert war, nahm man in Kauf. Um das Chrom war es schließlich ganz geschehen, als seit den 1990er-Jahren die Gehäuse überwiegend aus Kunststoff hergestellt wurden. Spätestens dann hatte sich die Ansicht durchgesetzt, dass eine professionelle Kamera schwarz zu sein hat.

Dennoch ist das Silber nicht verschwunden aus der Welt der Fotografie: Man findet silber heute jedoch noch häufig bei den kleineren Sucherkameras. Hier kommt Aluminium zum Einsatz, das jedoch meist nicht mehr verchromt, sondern eloxiert wird. Damit ist jedoch nicht mehr nur Silber als Farbe möglich, sondern auch alle möglichen anderen Farben vom Grün über Gold und Braun bis hin zum Violett. (ud)

 

Artikel zu ähnlichen Themen