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10.11.2003

Ein Blick in die Geschichte der Farbsysteme

Von Aristoteles über Goethe bis in die Gegenwart: Die Ordnung der Farben beschäftigt Gelehrte und Wissenschaftler seit vielen hundert Jahren

Das Farbsystem von Franciscus Aguilonius stammt aus dem Jahr 1613.

Aristoteles machte sich bereits Gedanken zur Ordnung der Farben, doch die ersten Farbsysteme entstanden erst im 17. Jahrhundert. Schon bald erkannten die Gelehrten, dass zu einer vollständigen Darstellung dreidimensionale Systeme nötig sind. So entwickelten sie Farbenkugeln und Farbenpyramiden, wie sie auch Goethe in seiner Farbenlehre beschrieb. Auf diesem Wissen aufbauend entstanden schließlich die vielseitig einsetzbaren modernen Farbsysteme.

Schon die Philosophen der Antike stellten Überlegungen zu Farben, Farbmischungen und möglichen Systematisierungen an. Aristoteles versuchte zum Beispiel, Farben zu mischen, indem er Licht durch bunte Glasstücke fallen ließ. Weiterhin stellte er allgemeine Beobachtungen über das Verhalten von Farben unter verschiedenen Bedingungen an. Auch Platon machte sich Vorstellungen über Farben, die allerdings mit heutigen Theorien wenig gemeinsam haben. Ebenso versuchte Leonardo da Vinci später, eine Ordnung in Farben zu bringen. Er erkannte wohl als Erster den Unterschied von primären Grundfarben und sekundären Farben, die aus primären mischbar sind.

Das erste Farbsystem, das diese Bezeichnung tatsächlich verdient, stammt vermutlich aus dem frühen 17. Jahrhundert von dem nordischen Astronomen Aron Sigfrid Forsius. Er entwickelte ausgehend von einem Farbenkreis aus 16 Farben eine Figur, die dreidimensional interpretierbar ist und Farbverläufe nach Weiß und Schwarz enthält. Jedoch beruht seine Farbordnung nicht auf einer Sortierung der Spektralfarben nach Ähnlichkeit. Forsius versuchte vielmehr, Weiß, Grau, Schwarz und Braun in den zugrundeliegenden zweidimensionalen Farbenkreis mit einzubeziehen, weshalb seine "Farbenkugel" nach heutigem Verständnis nicht ganz richtig erscheint.

Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte der belgische Jesuitenpater Franciscus Aguilonius ein sehr interessantes Farbsystem, an dessen Entwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der berühmte Maler Peter Paul Rubens beteiligt war. Oberflächlich betrachtet ist das System kaum außergewöhnlich, denn es handelt sich lediglich um eine zweidimensionale Strichzeichnung. Diese verwandelt sich aber mit etwas räumlichem Vorstellungsvermögen in ein dreidimensionales System, das weit moderneren Farbsystemen erstaunlich nahe kommt.

Im späten 17. Jahrhundert beschäftigte sich Isaak Newton mit Licht und Farbe. Nachdem er Sonnenlicht mit Hilfe eines Prismas aufgespalten hatte, entwickelte er einen Farbenkreis, in dem er erstmals Weiß und Schwarz aus der Sortierung der Farben herausnahm und die restlichen Farben kreisförmig anordnete. In die Mitte dieses Kreises platzierte Newton die Farbe Weiß, um auszudrücken, dass die Summe aller Farben im Kreis Weiß ergibt. Newton ordnete die Farben additiv an. Seine Ansicht, dass alle Farben Weiß ergeben sollten, wurde später von Johann Wolfgang von Goethe vielfach verspottet. Für ihn waren die üblichen subtraktiven Methoden weitaus einsichtiger, bei denen durch die Mischung der Grundfarben ein schmutziges Grau entsteht.

Im späten 18. Jahrhundert finden sich weitere interessante Farbsysteme. Johann Heinrich Lambert konzipierte 1772 seine zur praktischen Anwendung bestimmte Farbenpyramide. In diesem System lässt Lambert 45 kräftige Farben nach oben hin immer heller werden. Aufgrund der zunehmenden Helligkeit nimmt die Zahl der Farben nach oben hin ab, so dass eine Pyramide entsteht, an deren Spitze nur noch Weiß steht.

Fasziniert von Farben und deren möglicher Systematisierung schuf dann Philipp Otto Runge im frühen 19. Jahrhundert seine Farbenkugel. Bei seinen Studien bereits vorhandener Farbsysteme stieß Runge auch auf die Lambertsche Farbenpyramide, die ihn möglicherweise sogar auf die Idee brachte, ein System in drei Dimensionen zu entwickeln. In seiner Kugel sind die kräftigen Spektralfarben auf dem Äquator angeordnet. Zum Nordpol hin werden sie immer heller bis zum Weiß, zum Südpol immer dunkler bis zum Schwarz, während sie Richtung Erdachse ihre Sättigung verlieren, also immer mehr ins Graue gehen.

Alle erwähnten Farbsysteme sind in Goethes Farbenlehre zu finden, in der er sich ausführlich mit den verschiedenen Theorien der Farbenlehre beschäftigte. Im historischen Teil seiner Schriften zur Farbenlehre liefert Goethe den ersten umfassenden Überblick über die verschiedenen Vorstellungen von Farbe. Angefangen bei den alten Griechen und Römern stellt er auch viele Farbsysteme aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert vor. Er behandelt die Farbtheorien, indem er sie und teilweise auch ihre Erschaffer vorstellt und gegebenenfalls kommentiert.

Bei den modernen Farbsystemen wird unterschieden zwischen Systemen, die auf der Grundlage subtraktiver Farbmischung und solchen, die auf Grundlagen additiver Farbmischung basieren. Es gibt eine Vielfalt unterschiedlicher Systeme, die teilweise technischer Natur sind und Anwendung in der Industrie finden. Teilweise beziehen die modernen Farbsysteme aber auch psychologische beziehungsweise empfindungsgemäße Aspekte des Farbensehens in die Systematisierung der Farben mit ein.