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25.01.2006

Ein Pigment für alle Fälle

Neue Farbmittel lassen auch bisher unmögliche Kombinationen von Farbtönen und Bindemitteln zu

Sie sind das Herzstück jedes Anstrichs: Pigmente. Ob organisch oder anorganisch, natürlich oder synthetisch – für fast jede Anwendung findet sich ein passendes Farbmittel. Doch trotz der Vielfalt an verfügbaren Pigmenten gibt es Ansprüche, die nur sehr schwer zu erfüllen sind. Häufig ist es die mangelnde Wetterbeständigkeit bestimmter Pigmente bei Fassadenanstrichen. Um diese Probleme zu umgehen, arbeiten Experten an neuen Pigmentarten, die die gewünschten Eigenschaften in sich vereinen.

Grundsätzlich können Maler und Architekten zwischen anorganischen und organischen Pigmenten wählen, von denen es jeweils natürliche und synthetische Varianten gibt. Anorganische Pigmente, früher auch als Erd- oder Mineralpigmente bezeichnet, sind meist Metalle oder Metallsalze wie Oxide, Hydroxide, Silikate, Sulfide, Cyanide oder Chromate. Zu den bekanntesten natürlichen Vertretern dieser Gruppe gehören Kreide, Ocker, Umbra und Graphit – Substanzen, die durch Mahlen, Schlämmen oder Trocknen aus natürlichen Ausgangsstoffen gewonnen werden können und die schon in prähistorischen Zeiten eingesetzt wurden.

Das wohl wichtigste synthetische anorganische Pigment ist das weiße Titandioxid, von dem weltweit jährlich mehr als 2,5 Millionen Tonnen produziert werden. Ebenfalls dazu gehören Schwarzpigmente wie Ruß und Buntpigmente wie Bleichromat, Mennige, Cobaltblau, Cadmiumorange, Ultramarinblau und Eisenoxidpigmente in verschiedenen Farben.

Die ursprünglich aus Farbstoffen gewonnenen organischen Pigmente sind historisch betrachtet sehr viel jünger als ihre anorganischen Verwandten. Sie sind extrem vielfältig, und ihre chemische Struktur ist im Allgemeinen sehr viel komplexer – eine Eigenschaft, die es ermöglicht, durch leichte Veränderungen der Moleküle sehr viele unterschiedliche Farbtöne zu erzeugen. Vervollständigt wird diese Gruppe ebenfalls durch die in der Natur vorkommenden Varianten wie Sepia, Indigo, Chlorophyll und andere Pflanzenfarbstoffe.

Beide Pigmentgruppen haben ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen. Organische Pigmente punkten beispielsweise durch ihre enorme Farbvielfalt, hohe Brillanz und die große Farbstärke. Dafür muss man sowohl bei der Deckkraft als auch bei der Stabilität und Lichtechtheit große Zugeständnisse machen. Anstriche mit anorganischen Pigmenten decken dagegen meist sehr gut und bleiben auch bei Wind und Wetter lange Zeit farbecht, sind aber nur in einer begrenzten Farbtonpalette erhältlich, weil viele anorganische Pigmente aus ökologischen Gründen nicht mehr zugelassen sind, wie zum Beispiel alle Blei- und Cadmiumpigmente.

Besonders schwierig wird die Auswahl des richtigen Pigments, wenn es zusätzlich noch Unverträglichkeiten zwischen Bindemittel und Pigmenten gibt. Das ist beispielsweise bei den als Fassadenfarben sehr beliebten Silicon- und Silikatfarben der Fall. Beide Farbentypen nutzen anorganische Substanzen als Bindemittel: Silikatfarben enthalten in Wasser gelöstes Kaliumsilikat, auch Kaliwasserglas genannt, und Siliconfarben basieren auf so genannten Siloxanharzen. Unangenehmerweise vertragen sich diese Bindemittel jedoch nicht immer mit organischen Pigmenten, sodass zum Abtönen fast ausschließlich anorganische Farbmittel infrage kommen.

Doch damit nicht genug: Diese anorganischen Pigmente müssen zusätzlich noch extrem stabil gegen Verwitterung sein. Denn sowohl die Silikat- als auch die Siliconharzfarben haben eine sehr hohe Diffusionsfähigkeit, sind also sozusagen atmungsaktiv. Das wird dadurch erreicht, dass sich nach dem Auftragen winzige Poren in der Farbschicht bilden, durch die Wasserdampf aus dem Untergrund nach außen gelangt. Doch was für die Hauswände von Vorteil ist, hat für die verwendeten Pigmente einen entscheidenden Nachteil: Sie sind nicht vollständig von dem Bindemittel umschlossen und dadurch Umwelteinflüssen wie Sonnenlicht, Wind und Regen praktisch schutzlos ausgeliefert.

Silikat- und Siliconfarben können also nur mit anorganischen Pigmenten eingefärbt werden, die sehr beständig gegen UV-Licht und andere Witterungseinflüsse sind – und diese Ansprüche werden nur von sehr wenigen Pigmenten erfüllt. Wer daher bislang die Vorteile von Silikat- oder Siliconfarben beispielsweise auf einer Fassade nutzen wollte, musste lange Zeit auf eine ganze Reihe von Farbtönen verzichten, darunter auch der trendige Rot-Orange-Terrakotta-Bereich.

Mittlerweile ist es Farbherstellern wie der Firma Brillux jedoch gelungen, dieses Problem zu lösen: Auf der Basis neuer hochwertiger und sehr reiner Oxide hat Brillux neue anorganische Tönpasten entwickelt, die sich gut mit Silikat- und Siliconbindemitteln vertragen, sehr wetterfest sind und gleichzeitig das bisherige Farbspektrum erweitern. Fassaden können sich mithilfe der pastellorangefarbenen, rubinroten, ultramarinblauen und kieferngrünen Tönpasten in Zukunft also auch mit Terrakotta-, Grün- oder Blauschattierungen schmücken, ohne auf die positiven Eigenschaften der Silikat- und Siliconfarben verzichten zu müssen.