25.04.2012

Farbiges Wettrüsten

Ein afrikanischer Brutparasit und sein Wirtsvogel liefern sich ein evolutionäres Rennen um die Eierfarbe

Vierzig Jahre sind nur ein Wimpernschlag im Vergleich zu den Zeiträumen, in denen sich Evolution normalerweise abspielt. Doch der in Afrika beheimatete Kuckucksweber und sein wichtigster Wirtsvogel haben es geschafft, in genau diesem Zeitraum die Farbe ihrer Eier völlig zu verändern: Waren die Eier des Brutparasiten vor drei bis vier Jahrzehnten für menschliche Augen noch rötlich, gehen sie heute überwiegend ins Bläuliche. Sein unfreiwilliger Gastgeber, die Rahmbrustprinie Prinia subflava, hingegen hat in dieser Zeit einen Wandel vom Rötlichen und Bläulichen ins Olive vollzogen.

Vogeleier, Foto: Claire Spottiswoode
Der äußere Kreis besteht aus Eiern des Wirtsvogels, deren Farbe sich zu einem Olivgrün entwickelt hat. Die Eier im inneren Kreis zeigen die farbliche Entwicklung des Kuckuckswebers hin zum Blau. Foto: Claire Spottiswoode

Motor dieses zweifachen Farbwandels ist einerseits das Bestreben des Wirtsvogels Prinia subflava, eine vom Kuckucksweber möglich schwer erreichbare Eierfarbe zu produzieren. Andererseits versucht der Brutparasit, seine Eierfarbe der des Wirtes anzupassen. Beides wird natürlich nicht aktiv durch die Vögel selbst gesteuert, sondern die Farbe verändert sich über Generationen hinweg durch natürliche Selektion: Die Kuckucksweber-Eier, die denen des Wirtes am ähnlichsten sind, haben die größten Chancen, ausgebrütet zu werden – denn kommt der Wirt dem Betrug auf die Schliche, wirft er das fremde Ei aus dem Nest. Und die Wirte, die erfolgreich fremde Eier in ihrem Nest erkennen, haben die meisten eigenen Nachkommen, denn wie auch beim Kuckuck versuchen auch hier die untergeschobenen Kinder, die Konkurrenz aus dem Nest zu werfen.

Biologen wissen schon lange, dass sich nach diesen Prinzipien die Farbe der Eier von Brutparasiten und ihrer Wirte verändert. Doch dass die Evolution hier eine solche Dynamik entwickeln kann, hat die beiden britischen Biologen Claire Spottiswoode und Martin Stevens, die dem Farbwandel auf die Spur gekommen sind, überrascht. In der Mikrowelt der Bakterien, Viren und Pilze ist die Geschwindigkeit der Veränderung oft um ein Vielfaches höher – für Vögel ist ein derart rascher Wandel hingegen ungewöhnlich.

Kuckucksweber, Foto: Alan Manson, CC-Lizenz
Der sperlingsgroße Kuckucksweber kommt in Afrika südlich der Sahara vor. Foto: Alan Manson, CC-Lizenz

Gestoßen sind die Forscher auf die markanten Farbunterschiede, als sie selbst gesammelte Eier des Kuckuckswebers und seines Wirtsvogels mit Eiern aus der Sammlung eines Museums verglichen. Um diese Beobachtung zu überprüfen, simulierten sie am Computer die Entwicklung der Eierfarbe von Generation zu Generation. Die Forscher berücksichtigten dabei den speziellen Farbensinn von Vögeln, die im Gegensatz zum Menschen auch ultraviolettes Licht wahrnehmen können. Aus der Simulation ergab sich, dass auch ein solcher rascher Übergang durchaus möglich ist.

Das farbige Wettrüsten dürfte jetzt keineswegs zu Ende sein: Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Kuckucksweber auch das Olivgrün seines Wirtes sicher imitieren könne, erklären die Forscher. Doch vielleicht hat dieser mittlerweile seinerseits eine neue Farbe entwickelt, die der Parasit noch nicht erzeugen kann. (ud)