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06.07.2016

Farbkonstanz im Hühnerstall

Bei Vögeln funktioniert der automatische Abgleich mit den Beleuchtungsverhältnissen wie beim Menschen

Schnee ist für die menschliche Wahrnehmung immer weiß, egal ob in der hellen Mittagssonne oder bei Abendrot. Das Gehirn gleicht die durch die unterschiedliche Beleuchtung entstehenden Farbunterschiede so aus, dass ein konstanter Farbeindruck entsteht. "Farbkonstanz" nennen Wahrnehmungsforscher dieses Phänomen – und das gibt es auch bei Hühnern, wie Wissenschaftler aus Schweden nun nachgewiesen haben.

Orange, Gelb oder Rot? In den Experimenten schwedischer Forscher lernten die Küken, diese Farben voneinander zu unterscheiden. Foto: C. Schubert/Lund University
Huhn. Foto: C. Schubert/Lund University

Die Forscher um Peter Olsson von der Universität in Lund trainierten in ihren Experimenten Küken darauf, zwischen den Farben Rot, Gelb und Orange zu unterscheiden: Nur wenn die Jungtiere einen orangen Behälter anwählten, bekamen sie Futter, ansonsten gingen sie leer aus.

Zunächst lernten die Tiere die Unterscheidung der Farben bei weißem Licht – später veränderten die Forscher jedoch die Farbe der Beleuchtung in Richtung Rotlicht. Die Hühner konnten jedoch nach wie vor erkennen, welche der Behälter orange waren. "Wir haben viele verschiedene Beleuchtungsbedingungen untersucht, doch die Hühner behielten ihre konstante Farbwahrnehmung bei", erläutert Olsson die Ergebnisse.

Mittels eines mathematischen Modells konnten die Forscher abschätzen, wie sich die Farbwahrnehmung der Tiere unter echten, wechselnden Tageslichtbedingungen verändern würde – etwa, wenn sie sich von einem dichten Gehölz auf offenes Gelände begeben würden. Hierbei zeigte sich, dass die Tiere im Labor sogar noch deutlich größere Beleuchtungsunterschiede meisterten als im realen Leben zu erwarten sind.

Von der Fähigkeit, die Farbwahrnehmung wechselnden Beleuchtungsbedingungen anpassen zu können, haben die Vögel im Lauf der Evolution durchaus profitiert, erklären die Wissenschaftler: Sie hat es ihnen ermöglicht, sich bei der Nahrungssuche auf ihre Farbwahrnehmung zu verlassen. So konnten sie beispielsweise farbige Beeren bei allen Lichtverhältnissen eindeutig identifizieren.

Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass sich aus ähnlichen Gründen auch beim Menschen und seinen Vorfahren die Farbkonstanz entwickelt hat. So konnten sie auf ihren Streifzügen Essbares von Ungenießbarem anhand der Farbe sicher unterscheiden. (ud)