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04.07.2012

Gefiederte Farbpsychologie

Bei Gouldamadinen hängt das Naturell mit der Färbung des Kopfgefieders zusammen

Rot bedeutet Aggressivität, schwarz Mut und Kühnheit: Bei den in Australien beheimateten Gouldamadinen spiegelt die Gefiederfarbe des Kopfes das Naturell des jeweiligen Individuums wider. Das haben britische Wissenschaftler bei Verhaltenstests mit den sperlingsgroßen Singvögeln herausgefunden, die in verschiedenen Kopffärbungen vorkommen: mit schwarzem, rotem oder – extrem selten – mit gelbem Kopf.

Feldforschern war schon länger aufgefallen, dass rot- und schwarzköpfige Gouldamadinen ein unterschiedliches Verhalten zeigen. Systematisch untersucht wurden die Unterschiede jedoch erst von den britischen Forschern. Foto: chapmankj75, CC-Lizenz
Gouldamadinen, Foto: chapmankj75, CC-Lizenz

Die Färbung des Kopfgefieders ist bei den Prachtfinken genetisch bedingt und variiert quer durch die gesamte Population. Am häufigsten ist die schwarzköpfige Variante, gefolgt von der rotköpfigen, während nur einer von etwa dreitausend Vögeln mit gelbem Kopfgefieder ausgestattet ist. Die Wissenschaftler um Leah Williams von der John-Moores-Universität in Liverpool untersuchten daher in ihren Verhaltenstests lediglich schwarz- und rotköpfige Vögel.

Dabei untersuchten die Forscher zunächst das Aggressionspotenzial der Tiere, indem sie rot- und schwarzköpfige Vögel in einen Wettstreit um eine Futterstelle schickten, an dem immer nur ein einziger Vogel fressen konnte. Hier erwiesen sich die rotköpfigen Vögel als merklich aggressiver als ihre schwarzen Artgenossen: Mit aufgerissenem Schnabel versuchten sie, die Konkurrenten von der Futterstelle zu vertreiben.

Gouldamadinen leben in Schwärmen und haben daher ein reges Sozialverhalten entwickelt, das auch von der Farbe des Gefieders geprägt ist. Foto: cayobo, CC-Lizenz
Gouldamadine, Foto: cayobo, CC-Lizenz

Die schwarzköpfigen Tiere hingegen zeigten in den weiteren Tests mehr Mut und Kühnheit: Sie näherten sich einem unbekannten Objekt schneller als rotköpfige Vögel und kehrten früher an den Ort des Geschehens zurück, von dem die Forscher sie zuvor mit der Silhouette eines Greifvogels vertrieben hatten. Trotz ihres im Kampf eher verhaltenen Naturells waren die schwarzköpfigen Vögel also deutlich risikofreudiger.

Mit ihren Experimenten haben die Wissenschaftler einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Färbung des Kopfes und dem Verhalten der Gouldamadinen nachgewiesen. Im Dunkeln bleiben hingegen die genauen Ursachen für diesen Zusammenhang: Prägt die genetische Veranlagung zum roten oder zum schwarzen Kopfgefieder direkt auch das Naturell der Tiere? Oder handelt es sich jeweils um ein erlerntes Verhalten, das von der Kopffarbe beeinflusst ist?

Die Forscher vermuten eher letzteres: So könnten sich beispielsweise Vögel mit rotem Kopf der Signalwirkung dieser Farbe bewusst sein und ihr Verhalten entsprechend anpassen. Schwarzköpfige Vögel hingegen würden dieses Defizit dann durch mutigeres Verhalten auszugleichen versuchen. (ud)