07.03.2017

Grau – die Farbe, die Schönes zum Strahlen bringt

Keine Farbe ist so wandelbar und vielseitig – und stellt sich so selbstlos in den Dienst ihrer Begleiter

Grau ist seit Jahrhunderten die Farbe der Geschichten, der Literatur, der Erinnerung. Ohne sie wären viele Gedanken niemals niedergeschrieben worden – schlicht aus Mangel am passenden Werkzeug. Erst mit dem Bleistift und dem darin enthaltenen Graphit, der Name leitet sich vom griechischen Wort graphein, zu deutsch „schreiben“, ab, waren die Menschen in der Lage, ihre Kunst und Wissenschaft zu vervielfältigen und zu verbreiten. Und noch heute machen Künstler ihre Skizzen oder Buchautoren ihre Notizen mit dem grauen Gold, denn dank Graphit können sie ausradieren und anschließend neu erschaffen. „Worauf es beim Bleistift ankommt, ist nicht das Holz oder seine äußere Form“, sagt Schriftsteller Paulo Coelho über das Werkzeug, das seine Fantasie beflügelt, „sondern die Graphitmine, die in ihm drinsteckt“.
 

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Der südkoreanische Maler Ki Yoon Ko war sogar so berauscht von der Farbe, dass er eigens dafür eine Kunsttechnik kreierte: Er streift mit der Fingerspitze über den Pinsel und spritzt so das Graphitpulver auf die Leinwand. So entsteht Partikel um Partikel ein fotorealistisches Kunstwerk. Für ihn ist Graphit der Schlüssel zur Kreativität: „Ich wusste seit dem ersten Pinselstrich, dass dies meine eigene Art des schöpferischen Ausdrucks ist.“ Über sechs Monate hinweg entwickelte und trainierte er die Technik akribisch, bevor er mit den Ergebnissen zufrieden war. Sie verlangt höchste Konzentration: Gelangt auch nur ein Tropfen von der Graphit-Wasser-Mischung auf die Leinwand, ist die Arbeit von Monaten ruiniert.

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Warm oder kühl, charmant oder nüchtern: Wie vielseitig Grautöne nicht nur auf dem Papier, sondern auch an der Wand sind, zeigt eine Stilkarte, die der Farbenhersteller Brillux vor wenigen Monaten vorgestellt hat. „Geradliniges Graphit“ heißt die Karte, die anhand dreier Nuancen exemplarisch den Einsatz verschiedener Grautöne in der Wohnraumgestaltung zeigt und beweist: Kaum eine Wandfarbe bietet so viele Facetten, lässt so viel Raum für Fantasie, wie Graphit. Kein Wunder – gilt es doch als die kleine Schwester des Diamanten. Beide teilen nicht nur die Kohlenstoff-Basis, sie besitzen vor allem die Fähigkeit, ohnehin schon Schönes noch zu veredeln. Wie der Juwel einen schlichten Ring zum Strahlen bringt, wertet auch eine graugestrichene Wand Möbelstücke auf oder wird für die private Bildergalerie zum perfekten Passepartout.