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14.05.2008

Mona Lisas Geheimnis

Es ist eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt – doch über kaum ein Werk wurde so viel gerätselt wie über Leonardo da Vincis Mona Lisa. Repro: Movieevery, wikipedia.de

Eine besondere Maltechnik verhilft "La Gioconda" zu ihrem unwiderstehlichen Lächeln

Sie lächelt seit etwa fünfhundert Jahren, und immer noch ist es ein Geheimnis, was die Mona Lisa nun eigentlich so faszinierend macht. Sicher scheint mittlerweile eins: Es ist nicht nur die Schönheit des Modells, sondern auch die Maltechnik Leonardo da Vincis. Deren Prinzipien kommen Wissenschaftler erst jetzt nach und nach auf die Spur: Der Maler benutzte keine Palette und trug viele Farbschichten übereinander auf, mit denen er eine Art 3D-Effekt erzeugte.

"Licht und Schatten sollten ineinander übergehen, ohne Linien oder Grenzen, nach der Art des Rauches". So beschrieb Leonardo da Vinci selbst die Ansprüche, die er an seine Gemälde stellte – und die er auch meisterhaft umzusetzen verstand. Besonders gut erkennen kann man das am Lächeln der Mona Lisa: Ihre Augen und ihre Mundwinkel scheinen im Schatten zu liegen, Abgrenzungen sind nur unklar erkennbar und stellen den Betrachter vor die Frage: Bilden sich die Schatten, weil die Dame lächelt, oder entsteht das Lächeln durch die mit soviel Sorgfalt gesetzten Schattierungen?

"Sfumato" wird dieses Malen ohne klare Linien, ohne erkennbare Übergänge genannt, angelehnt an das italienische Wort "fumo" für Rauch. Wie da Vinci es jedoch schaffte, diese Effekte auf Leinwand und Holz zu realisieren, darüber schwieg er sich aus. Erste Hinweise auf eine Klärung fand der US-Forscher Jacques Franck im Jahr 2006 – mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Er schaute sich ein anderes Gemälde da Vincis an, eine Studie zum Faltenwurf bei einem Stoff, den eine sitzende Figur trägt. Im Gegensatz zur Mona Lisa handelte es sich hier nicht um ein Ölgemälde, sondern ein Bild, bei dem Tempera als Bindemittel verwendet wurde.

Dort, so erläuterte Franck anlässlich einer da-Vinci-Ausstellung in den Uffizien in Florenz, habe er erkennen können, dass der Maler winzige Punkte übereinander gesetzt habe – ähnlich wie es die Pointillisten Ende des 19. Jahrhunderts zu tun pflegten. Als Beweis setzte der Wissenschaftler seine Theorie in einem Modell um und malte ein Auge der Mona Lisa in einem aufwendigen Prozess nach. Zuerst behandelte er ein Stück Pappelholz mit Gips und Leim und zeichnete darauf das Auge, indem er schwarze Kreide mit einem Pinsel auftrug. Dann applizierte er halbtransparentes verdünntes Öl, um die Linien weicher zu machen. Schließlich retuschierte er die Details mit winzigsten, fast mikroskopischen Pinselstrichen.

Zwar habe er sehr, sehr viele Schichten auftragen müssen, bis die einzelnen Farben und Schattierungen ineinanderflossen, berichtet der Forscher. Im Endeffekt habe das Auge jedoch dem der echten Mona Lisa stark geähnelt. Die kleinen Punkte sollten dabei nicht irritieren – Francks Angaben zufolge sind sie spätestens nach drei Jahren, wenn das Gemälde zu altern beginnt, nicht mehr zu sehen.

Auch wenn seine Theorie der gepunkteten Mona Lisa unter Experten sehr umstritten ist – zumindest das Grundprinzip des "Sfumato", die immer wieder neu aufgetragenen Schichten aus pigmentierter und transparenter Farbe, scheint der malende Wissenschaftler damit richtig erkannt zu haben. Zu einem ähnlichen Schluss kommen nämlich auch italienische Forscher, die im September 2007 ein weiteres da-Vinci-Gemälde mit hochenergetischen Ionen beschossen. Damit konnten sie nicht nur die verwendeten Pigmente, sondern auch Farbe, Dicke und Auftragetechnik der einzelnen Schichten identifizieren. Fazit: Der Maler platzierte tatsächlich viele dünne Farbschichten übereinander, und er benutzte keine Palette. Da Vinci habe seine Farben mit sehr viel Sorgfalt und Aufwand hergestellt und vorbereitet, daher habe er sie später nicht mehr mischen müssen, erläutern die Forscher.

Den bisher besten Beweis für die Schichttechnik bei der Mona Lisa liefern jetzt jedoch französische Wissenschaftler: Sie analysierten das Gemälde mit einer Multispektralkamera, einem Gerät, das die Reflexion und Absorption mehrerer unterschiedlicher Wellenlängenbereiche gleichzeitig registrieren kann. Mit Hilfe der insgesamt 100 Millionen Spektren habe man schließlich den Firnis, die oberste Schutzschicht des Bildes, virtuell entfernen können, erläutert Pascal Elias, einer der beteiligten Forscher. In den folgenden Lagen konnten sie dann ein ungewöhnliches Umbra-Pigment nachweisen und fanden zudem Hinweise auf die Verwendung einer Lasurtechnik. Die Basis schließlich bestehe zu einem Prozent aus Zinnober und zu 99 Prozent aus einem bleihaltigen Weißpigment.

Insgesamt, da sind sich die Experten einig, entsteht durch die Vielschichtigkeit des Bildes ein nahezu räumlicher Effekt – und der wiederum hat eine merkwürdige Wirkung auf die menschliche Wahrnehmung: Die Mona Lisa lächelt nur, wenn man ihr in die Augen sieht und die Lippen am Rand des Gesichtsfeldes bleiben. Schaut man hingegen direkt auf ihren Mund, verschwindet das berühmte Lächeln nahezu vollständig. (ilb)