Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

01.07.2010

Morgendliche Brillanz

Im Schlaf wird die menschliche Farbwahrnehmung kalibriert

Wirkt die Welt gerade vielleicht ein wenig grünstichig? Hat sie ihre gewohnten Farben verloren? Dann könnten vielleicht einige Stunden Schlaf nicht schaden: Im Schlaf wird die menschliche Farbwahrnehmung neu kalibriert, haben amerikanische Forscher herausgefunden. In Tests an fünf Freiwilligen konnten die Wissenschaftler beobachten, wie die innere Farbbalance mit der abendlichen Müdigkeit aus dem Gleichgewicht gerät und während des Schlafs wieder ins Lot gebracht wird.

Die Kalibrierung des Farbensehens ist einer der Prozesse, die während des Schlafs ablaufen. Foto: na, Photocase.com
Foto: na, Photocase.com

Die Forscher um den Computerwissenschaftler Bhavin Sheth von der Universität in Houston zeigten den Probanden nacheinander verschiedene farbige Flächen, deren Farbton entweder leicht ins Rötliche oder ins Grünliche ging. Die Probanden hatten zu beurteilen, ob der gezeigte Farbton im Vergleich zu dem Ton, den sie als neutrales Grau in Erinnerung hatten, eher einen Rot- oder einen Grünstich aufwies. Diese Tests hatten die Freiwilligen zweimal zu absolvieren, einmal kurz vor dem Schlafengehen und ein zweites Mal gleich am Morgen nach durchschnittlich 7,7 Stunden Schlaf.

Klein, aber deutlich seien die Unterschiede zwischen ausgeschlafenem und müdem Zustand der Probanden gewesen, stellten die Forscher nach der Auswertung fest: Bei den müden Absolventen der Tests hatte sich die Farbwahrnehmung etwas ins Grünliche verschoben. Ein neutrales Grau erschien ihnen dann als eher grün – ein Ungleichgewicht, das offenbar im Schlaf behoben wird, wie die Wissenschaftler bei den morgendlichen Tests beobachten konnten: Neutrale Grautöne, die zuvor als eher grünlich beurteilt worden waren, nahmen die ausgeschlafenen Probanden wieder richtigerweise als neutral wahr.

Durch das Einblenden großer roter Farbflächen versuchten die Wissenschaftler anschließend, den inneren Farbabgleich der Probanden wieder zu verstellen – ohne Erfolg. Die Kalibrierung des menschlichen Wahrnehmungssystems sei wohl ein universeller Vorgang, der sich auch durch äußere Faktoren nicht beeinflussen lasse, folgern die Forscher daraus. Was genau bei dieser Kalibrierung geschieht und wo diese stattfindet, können die Wissenschaftler allerdings noch nicht sagen. Wer die Welt also mit farbneutralem Blick erleben möchte, sollte dies am besten am Morgen nach einer durchgeschlafenen Nacht tun. (ud)