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29.11.2006

Ob blond, ob braun –

entscheidend für die Haarfarbe ist die Mischung von Farbstoffen

Die Färbung hängt von der Art und der Menge verschiedener Melaninvarianten im Haar ab

Die Haarpracht des Menschen entfaltet sich in einer Vielzahl von Schattierungen: Kohlrabenschwarz, Aschblond, Braun, Feuerrot, Mahagoni, Brünett und Goldblond sind nur einige gängige Beispiele. Dahinter steckt immer eine Mischung aus zwei Farbstoffarten, die jeweils in unterschiedlichen Varianten und Konzentrationen vorkommen. Vollständig erforscht sind die Haarfarben allerdings noch nicht – es ist beispielsweise nach wie vor äußerst schwierig, die Haarfarbe anhand der Gene genau vorherzusagen.

Blondes Haar entsteht, wenn nur wenig braunes oder rotes Melanin vorhanden ist. Foto: PhotoCase.com
Blondes Haar entsteht, wenn nur wenig braunes oder rotes Melanin vorhanden ist. Foto: PhotoCase.com
Der Glanz des Haares wird von einer feinen Schuppenschicht bestimmt, die das Haar umschließt. Foto: PhotoCase.com
Der Glanz des Haares wird von einer feinen Schuppenschicht bestimmt, die das Haar umschließt. Foto: PhotoCase.com

Haarfarbe entsteht durch das Mischungsverhältnis zweier Melaninarten. Eine davon kommt in schwarzen oder braunen Tönen vor, während zur anderen eher rötlich oder gelblich gefärbte Farbstoffe gehören. Die Schwarz-Braun-Pigmente entscheiden über die jeweilige Farbtiefe. So entsteht etwa blondes Haar, wenn nur wenig braunes oder rotes Melanin vorhanden ist und so gut wie kein schwarzer Farbstoff am Haarfollikel gebildet wird. Für einen roten Haarschopf bedarf es hauptsächlich des roten Melanins. Kommt Rot zusammen mit Braun vor, entsteht beispielsweise kastanienbraunes Haar.

Über die genetischen Vorgänge, die die Haarfarbe bestimmen, ist bisher nur wenig bekannt. So scheint etwa das Gen, das für die Rotfärbung verantwortlich ist, unabhängig von den Genen zu operieren, die über Braun, Blond oder Schwarz entscheiden. Es funktioniert ähnlich wie ein Schalter: Rot ist entweder enthalten oder eben nicht. Da es aber leicht von dunklem Braun und Schwarz überdeckt wird, ist helles Rot als natürliche Haarfarbe am seltensten in der Weltbevölkerung.

Blond folgt auf dem Fuße: Nur knapp zwei Prozent der Weltbevölkerung sind blond. Blondes Haar wird rezessiv vererbt, das heißt, das Gen ist zwar möglicherweise vorhanden, kommt aber nicht zum Zug, weil eine ebenfalls vorhandene dunkle Anlage dominiert. Dunkelhaarige Eltern können also durchaus sehr blonde Kinder bekommen – nämlich immer dann, wenn sie beide das Gen für helles Haar an ihren Nachwuchs weitergeben. Da in einem solchen Fall kein übermächtiges Gen für dunkle Haare vorhanden ist, kann sich das Blond problemlos durchsetzen. Welche Haarfarbe sich dagegen ergibt, wenn nicht beide Eltern ihre helle Veranlagung weitergeben, kann praktisch nicht vorhergesagt werden.

Blondes Haar ist im nördlichen Europa am häufigsten, und jüngsten genetischen Forschungsergebnissen zufolge hat sich der helle Haarschopf dort während und nach der letzten Eiszeit durchgesetzt. Allerdings lässt sich die Häufigkeit nicht mit dem einfachen Gang der Evolution – der natürlichen Selektion – erklären. Der derzeitige Blondanteil der Bevölkerung hätte um die 850.000 Jahre gebraucht, um sich auf diesem Weg zu etablieren, doch die ersten modernen Menschen wanderten erst vor 35.000 bis 40.000 Jahren von Afrika nach Europa.

Um diesen Unterschied zu erklären, stellte der kanadische Forscher Peter Frost die These auf, dass sexuelle Selektion zur zügigen Verbreitung blonden Haares beigetragen hat: Nahrung war knapp im eiszeitlichen Nordeuropa – die Jagd auf Mammuts, Bisons und Rentiere war gefährlich und kostete vielen Männern das Leben. Im Frauenüberschuss, der sich aus dieser Situation ergab, hatten blonde Frauen einen Paarungsvorteil, weil sie sich von der dunkelhaarigen Masse absetzten. So setzte sich das blonde Gen schneller durch, als es allein aufgrund der natürlichen Selektion der Fall gewesen wäre.

Für die Produktion der Farbstoffe sind die so genannten Melanozyten verantwortlich: Sie verwandeln körpereigene Aminosäuren, die Bausteine aller Eiweißmoleküle, in die farbigen Melanine. Melanozyten finden sich am Haarfollikel, von wo sie ihren Farbstoff über feine Kanälchen an das wachsende Haar abgeben. Braun-schwarzes Melanin ist recht grobkörnig, während die Rot-Pigmente sehr viel feiner und kleiner ausfallen.

Der Glanz des Haars hängt übrigens nicht von den Melaninen ab, sondern wird von der Schuppenschicht bestimmt, die das Haar wie eine Rinde umschließt und aus flachen, übereinander greifenden Zellen besteht. Wenn diese Zellen glatt anliegen, glänzt das Haar, wenn sie abstehen, erscheint es matt.

Graues und weißes Haar entsteht, wenn die Zellen am Haarfollikel die Melaninproduktion herunterfahren: Das Haar wächst dann mit karger oder gar ganz ohne Pigmentation. Solange die Zellen noch ein wenig schwarze Farbe produzieren, wird das Haar nur grau. Erst in Abwesenheit aller Pigmente entsteht der schlohweiße Haarschopf.

Wann sich die ersten grauen Haare zeigen, wird wiederum von den Genen bestimmt. Manche Menschen werden mit grauen Haaren geboren, andere ergrauen erst, wenn sie die Sechzig überschritten haben. Im Schnitt wachsen die ersten grauen Haare bei Europäern zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Und gegen das Ergrauen ist bisher kein Kraut gewachsen – es bleibt lediglich das Übertünchen mit allerlei künstlichen Haarfarben und Tönungen.