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27.02.2013

Päpstliche Rauchzeichen

Bei der Wahl des Papstes zeigt seit über hundert Jahren weißer und schwarzer Rauch den Ausgang der Abstimmung an

Es ist eine geradezu archaische Kommunikationsform im Zeitalter von Handy, Twitter und E-Mail: Rauchzeichen werden in einigen Tagen Millionen von Menschen aus aller Welt den Ausgang des jeweiligen Wahlgangs des Nachfolgers von Papst Benedikt XVI. verkünden. Der Rauch wird aus einem unscheinbaren Blechrohr auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle dringen – ist er schwarz, hat der Wahlgang noch zu keiner Entscheidung geführt, ist er hingegen weiß, verkündet dies aller Welt: "Habemus Papam – wir haben einen Papst!"

Das Blechrohr auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle ist eigentlich völlig unspektakulär – und dennoch wird es für einige Stunden oder Tage im Focus von Millionen Gläubigen in aller Welt stehen. Foto: public domain
Kamin, Foto: public domain

Die Tradition, den Ausgang des Wahlgangs mit Rauchzeichen anzuzeigen, ist – gemessen an der Geschichte der Katholischen Kirche – alles andere als alt: Erstmals im Jahr 1903 (andere Quellen sprechen von 1878) konnten die Gläubigen auf dem Petersplatz an der Farbe des Rauchs erkennen, ob die Kardinäle im Inneren der Kapelle zu einem Ergebnis gekommen waren. Der Rauch kam aus einem eigens in der Sixtinischen Kapelle installierten Ofen, in dem die Kirchenmänner nach jedem Wahlgang die Stimmzettel verbrannten. Mischten sie trockenes, mit Pech versetztes Stroh unter das Papier, stieg schwarzer Rauch auf. Feuchtes Stroh hingegen erzeugte weißen Rauch und verkündete so den erfolgreichen Abschluss der Wahl.

So weit die Theorie. In der Praxis erwies sich die gezielte Erzeugung von weißem und schwarzem Rauch jedoch immer wieder als schwierig. "Weiß, weiß!", rief die Menschenmenge auf dem Petersplatz beim Konklave 1958 mit Blick auf die aus dem Kamin steigenden hellen Rauchschwaden. Radio Vatikan hatte die vermeintlich freudige Nachricht bereits in die ganze Welt verbreitet, als sich der aufsteigende Rauch schließlich doch dunkel färbte.

Ein solches peinliches Versehen sollte nicht noch einmal geschehen, weshalb man bei der nächsten Wahl im Jahr 1963 zu Rauchpatronen aus Beständen der italienischen Armee griff – offensichtlich mit Erfolg. Dennoch wurden bei der nächsten Wahl im Jahr 1978 die Rauchpatronen durch chemische Zusätze ersetzt, die dem brennenden Papier beigegeben wurden – vielleicht waren die militärischen Raucherzeuger einigen Kirchenmännern dann doch zu martialisch erschienen. Doch der nächste Misserfolg ließ nicht lange auf sich warten: Statt weißen oder schwarzen Rauchs stieg bei der Wahl von Johannes Paul I. eine undefinierbar graue Rauchsäule auf. Was draußen daher für Verwirrung sorgte, verursachte zudem bei den Männern im Inneren der Kapelle Übelkeit.

Die Sixtinische Kapelle im Vatikan: Seit 1878 wird hier der Papst gewählt. Foto: Steven Newton, CC-Lizenz
Sixtinische Kapelle, Foto: Steven Newton, CC-Lizenz

Als nach dem plötzlichen Tod von Johannes Paul I. nur wenige Wochen später eine weitere Wahl nötig wurde, kehrte man daher wieder zu den Rauchpatronen zurück. Doch auch bei der Wahl von Johannes Paul II. stieg undefinierbarer grauer Rauch auf – der von Radio Vatikan umgehend als schwarz deklariert wurde. Bis heute von offizieller Seite unbestätigten Gerüchten zufolge war in der Sixtinischen Kapelle damals ein Klingelknopf installiert worden, über den den Reportern des kirchlichen Radiosenders unmissverständliche Signale übermittelt werden konnten. Bei der Wahl von Benedikt XVI. im Jahr 2005 kam erstmals eine unter Johannes Paul II. eingeführte Regelung zur Anwendung: Wenn der Wahlgang zu einer endgültigen Entscheidung geführt hat, werden die Glocken des Petersdoms geläutet.

Auch bei der kommenden Papstwahl wird die Kirche wohl auf die päpstlichen Rauchzeichen nicht verzichten. Zum Einsatz werden – wie schon bei der Wahl vor acht Jahren – chemische Zusätze kommen, die über einen separaten Zugang in das Kaminrohr geleitet werden.

Die weißen und schwarzen Rauchzeichen sind offiziell der einzige Kommunikationsweg nach draußen, wenn sich die Kirchenmänner in den ehrwürdigen Räumen zum Konklave versammeln. Allerdings wird bereits über mögliche Nachrichtenlecks spekuliert, über die vielleicht doch Informationen aus der geschichtsträchtigen Versammlung nach draußen dringen könnten. Schließlich gelten mindestens zwei der beteiligten Kardinäle als ausgesprochene Anhänger des Nachrichtendienstes "Twitter". (ud)