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05.12.2007

RAL: Tradition mit drei Buchstaben

Die Farbsammlung RAL classic setzt seit achtzig Jahren Standards in Industrie und Design

Mit einer Farbtafel von vierzig Farbtönen fing vor achtzig Jahren alles an: Der Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen – abgekürzt RAL – brachte 1927 eine Farbtabelle heraus, die der Industrie den Austausch von Farbinformationen erleichtern sollte. Statt dem aufwendigen Hin- und Herschicken von Farbmustern genügte jetzt die Übermittlung einer Zahl. Aus der bescheidenen Farbsammlung wurde in den folgenden acht Jahrzehnten eine der gebräuchlichsten Farbpaletten: Die Farbsammlung RAL classic definiert seither Farbstandards in Industrie, Design und Architektur.

Die Farben von Verkehrsschildern sind heute meist nach dem RAL-Standard festgelegt. Foto: AndreasFranke, PhotoCase.com
Die Farben von Verkehrsschildern sind heute meist nach dem RAL-Standard festgelegt. Foto: AndreasFranke, PhotoCase.com
Die RAL-Farbkarten finden sich heute auf den Schreibtischen von Designern und Grafikern. Foto: frechdax, PhotoCase.com
Die RAL-Farbkarten finden sich heute auf den Schreibtischen von Designern und Grafikern. Foto: frechdax, PhotoCase.com
 

Bei den vierzig Farbtönen des Jahres 1927 blieb es natürlich nicht lange. Stetig kamen neue Farben hinzu, musste das Angebot an die sich verändernden Ansprüche in der Industrie angepasst werden. Heute umfasst die Sammlung RAL classic insgesamt 210 Farben. Unterschieden wird dabei zwischen dem traditionellen halbmatten Farbregister und dem später hinzugekommenen Register mit glänzenden Farben.

Dieser Farbauswahl liegt keine tiefgehende Ordnung zugrunde – anders als bei Farbsystemen wie CIE oder dem DIN-System, die auf der Grundlage der menschlichen Wahrnehmung oder nach physikalischen Kriterien eine Ordnung der Farbe schaffen. "Um in diese Sammlung aufgenommen zu werden, muss eine Farbe von übergeordnetem Interesse sein und darf keinen modischen Einflüssen unterliegen", definiert RAL eines der Auswahlkriterien.

Bereits seit den 1930er-Jahren ist jeder Farbe ein vierstelliger Nummerncode zugeordnet. RAL 3020 beispielsweise steht für das Rot, das überall in Deutschland in Verkehrszeichen verwendet wird, RAL 1015 ist Hellelfenbein, bis 2004 Farbe aller deutschen Taxis, RAL 4010 ist das Magenta der Telekom und RAL 5002 ist die Farbe, in der alle Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks lackiert sind. Nur die erste der vier Ziffern hat dabei System: Die 1 steht für gelbe, die 2 für orange Farbtöne, die 3 für rote, 4 für violette, 5 für blaue, 6 für grüne, 7 für graue, 8 für braune und die 9 schließlich für weiße und schwarze Farbtöne. Die weiteren Ziffern werden fortlaufend gewählt und haben keine tiefere Bedeutung.

Wie überall, wo Menschen mit Zahlen arbeiten, können auch bei der Vermittlung von RAL-Werten Zahlendreher und Verwechslungen vorkommen. Daher hat RAL, das inzwischen als Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung im nordrhein-westfälischen St. Augustin residiert, bereits in den 1960er-Jahren Namensbezeichnungen für alle 210 Farben eingeführt. Pate bei der Namensgebung standen dabei Blumen und Tiere, aber auch zahlreiche Dinge aus dem Alltag.

So reicht beispielsweise die dreißig Farben umfassende Gelbpalette vom Raps- über Maisgelb bis zum Dahliengelb, vom Sandgelb über Schwefelgelb bis zum Sonnengelb, und die als RAL 1032 festgelegte Farbe der Deutschen Post heißt Ginstergelb. Es kommen jedoch auch Namen vor, unter denen sich kaum jemand auf Anhieb eine Farbe vorstellt, etwa Bezeichnungen wie Verkehrsgelb, Maigrün, Fernblau und Lichtgrün. Zu jeder Farbbezeichnung gibt es Übersetzungen in die wichtigen europäischen Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Niederländisch.

Die traditionsreiche classic-Farbpalette ist längst nicht mehr das einzige Mitglied der RAL-Farbfamilie. Inzwischen sind zwei weitere Farbpaletten hinzugekommen: das nach systematischen Kriterien aufgebaute System RAL design und die speziell für Anwendungen in der Industrie konzipierte Palette RAL effect. Ergänzt wird die Sammlung durch die Software RAL digital, die Farben aus beiden Paletten für Grafik und Design am Computer nutzbar macht. (ud)