Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

08.01.2014

Schau mir in die Augen, Rentier!

Die Augenfarbe der arktischen Wiederkäuer verändert sich mit den Jahreszeiten

Wer einmal die Gelegenheit hat, einem Rentier tief in die Augen zu blicken, sollte genau auf die Augenfarbe achten: Diese hat nämlich im dunklen arktischen Winter einen bläulichen Ton und einen goldgelben Schimmer im Dauerlicht des Sommers. Das haben Forscher aus England und Norwegen herausgefunden. Die Tiere passen mit dieser Farbveränderung ihren Sehsinn an die im Jahresverlauf extrem unterschiedlichen Lichtverhältnisse an.

Rentiere haben sich im Lauf der Evolution ideal an die Lebensbedingungen im hohen Norden angepasst. Foto: suze, Photocase.de
Rentier. Foto: suze, Photocase.de

Die Farbveränderung spielt sich im sogenannten Tapetum Lucidum ab – dem "Leuchtenden Teppich", einer hinter der lichtempfindlichen Netzhaut im Auge liegenden Gewebeschicht. Sie hat die Aufgabe, das Licht senkrecht zu reflektieren, sodass es nicht nur beim Einfall ins Auge auf Sinneszellen in der Netzhaut trifft, sondern auch beim Austritt. Auf diese Weise vergrößert sich der auf das Lichtsignal folgende Sinnesreiz bei schlechten Lichtverhältnissen erheblich.

Viele Tiere haben ein Tapetum Lucidum, darunter Katzen und Hunde. Diese Gewebeschicht leuchtet hell auf, wenn man einer Katze mit einer Taschenlampe in die Augen leuchtet. Die reflektierende Schicht haben jedoch auch große Säugetiere wie Pferde, Rinder und eben Rentiere. Wie kein anderer Wiederkäuer sind diese extremen Wechseln der Lichtverhältnisse ausgesetzt: Während im nordischen Sommer die Sonne je nach Breitengrad wochenlang nicht untergeht und es auch um Mitternacht nie ganz dunkel wird, sind die Wintertage von langer Dunkelheit und Dämmerlicht geprägt.

Während der dunklen Jahreszeit verfärbt sich das Tapetum Lucidum bei den Rentieren bläulich. Diese Verfärbung kommt nicht etwa durch die Einlagerung farbiger Pigmente zustande, erklären die Wissenschaftler: Durch die ständige Erweiterung der Pupille im Winter erhöht sich der Druck im Auge, die Gewebefasern im Tapetum Lucidum werden zusammengedrückt und streuen damit das blaue, kurzwellige Licht stärker, das diese dunklen Monate dominiert. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut getroffen werden, womit sich die Ausbeute bei dem geringen Lichteinfall erhöht. Im Sommer hingegen erscheint das Tapetum Lucidum gelblich und der im Auge gestreute Anteil des Lichts ist geringer.

In früheren Studien hatten die Wissenschaftler bereits herausgefunden, dass Rentiere auch ultraviolettes Licht wahrnehmen können, was ihnen gerade bei schlechten Lichtverhältnissen die Suche nach Nahrung und die Erkennung potenzieller Feinde erleichtert. Mit ihrem im Winter bläulichen Tapetum Lucidum können die Tiere ihre Sehfähigkeiten in dieser dunklen Jahreszeit noch weiter steigern. (ud)