Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

09.12.2015

Schaumstoff aus Gold – auf Wunsch in Rot

Schweizer Forscher entwickeln Goldnuggets, die fast nur aus Luft bestehen

"So leicht und locker geschlagen – der schwimmt sogar in Milch". An diesen ebenso alten wie unsinnigen Schokoriegel-Werbespruch erinnert der Goldklumpen, den nun Schweizer Wissenschaftler hergestellt haben: Er besteht zu 98 Prozent aus Luft, der Rest sind Gold und ein kleiner Teil Milchprotein-Fasern. Das Goldstück ist so leicht, dass es sich auf den Milchschaum einer Tasse Cappuccino legen lässt, wie seine Schöpfer von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich auf Fotos eindrucksvoll demonstrieren. Den edlen Schaumstoff gibt es dabei nicht nur in der klassischen Goldfarbe, sondern auch in Dunkelrot.

Sieht aus wie Gold, wiegt aber nur ein Tausendstel – und liegt sogar auf dem Milchschaum eines Cappuccinos auf: der von Schweizer Wissenschaftler entwickelte Schaum aus Gold. Foto: Gustav Nyström und Raffaele Mezzenga / ETH Zürich
Schwimmendes Gold. Foto: Gustav Nyström und Raffaele Mezzenga / ETH Zürich

Hergestellt wird das Material mithilfe von Milchproteinen, aus denen die Forscher zunächst Nanometer-feine Proteinfasern herstellen. Diese geben sie in eine Lösung aus Goldsalz, worin sich die Proteinfasern zu einem Grundgerüst vernetzen. Entlang dieses Gerüsts kristallisiert das Gold schließlich zu kleinen Partikeln aus, wobei ein gelartiges Goldfasernetz entsteht. "Eine der großen Herausforderungen war, dieses feine Netzwerk zu trocknen, ohne es dabei zu zerstören", erklärt Gustav Nyström, einer der beteiligten Forscher.

Durch die Kristallisation direkt bei der Herstellung des Proteingerüsts können die Forscher die Charakteristik des entstehenden Goldmaterials sehr gezielt beeinflussen. Da die optischen Eigenschaften stark von der Partikelstruktur abhängen, sind Farbtöne bis hin zu Dunkelrot möglich. In der klassischen Farbvariante hingegen ist das Material vom herkömmlichen Gold mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden.

Durch eine entsprechende Struktur der Goldpartikel kann auch ein dunkelroter Farbton erzeugt werden. Foto: Gustav Nyström und Raffaele Mezzenga / ETH Zürich

Das neue Material könnte daher in der Optik überall dort zum Einsatz kommen, wo Licht absorbiert oder reflektiert werden soll. Wegen seiner edlen Anmutung und seiner Variabilität bei der Farbe könnte es aber auch in Schmuckstücken eingesetzt werden – wobei es so weich ist, dass es sich von Hand verformen lässt und daher für diesen Einsatz wohl geschützt werden müsste, etwa durch eine spezielle Hülle. Möglich sei ein Einsatz jedoch beispielsweise auch in Katalysatoren, wobei man von der im Verhältnis zum Gewicht extrem großen Oberfläche profitiere, erklären die Forscher.  (ud)

Artikel zu ähnlichen Themen