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27.05.2015

Spinne mit farbiger Sonnenbrille

Wie Springspinnen mit einem Trick ihr farbiges Sehvermögen steigern

Springspinnen gelten als Meister im Sehen: Dank ihrer acht Augen haben die nicht einmal einen Zentimeter großen Tiere ein gutes räumliches Auflösungsvermögen. Doch sie können noch mehr: Ein rubinrotes Pigment in ihrem Auge ermöglicht es ihnen, auch Rot wahrzunehmen – obwohl sie keine eigenen für rote Wellenlängen empfindlichen Rezeptoren in ihrem Hauptauge haben. Wie eine farbige Sonnenbrille legt sich das Pigment vor den Rezeptor und erweitert so die Farbwahrnehmung, haben amerikanische Wissenschaftler nun entdeckt.

Warum männliche Springspinnen manchmal rote Farbmuster am Kopf haben, obwohl die Tiere gar kein Rot wahrnehmen können, war Wissenschaftlern lange ein Rätsel. Foto: Daniel Zurek

Wenn sich männliche Springspinnen der Art Habronattus pyrrithrix von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, blicken sie in ein rotes Gesicht. Doch warum gerade diese Farbe vorherrscht, wo die Tiere doch überhaupt keinen eigenen Fotorezeptor für Rot in ihrem Hauptaugenpaar haben, war Wissenschaftlern lange nicht klar. Diese Spinnen sind normalerweise Dichromaten – das heißt, sie haben zwei Fotorezeptoren, einen für grünes und einen für UV-Licht.

Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, untersuchten die Forscher um Daniel Zurek von der Universität in Pittsburgh die Hauptaugen der Spinnen nun genauer und stießen auf den Farbfilter, den nur rotes Licht passieren kann. Die darunterliegenden Rezeptoren haben ihr Absorptionsmaximum eigentlich bei grünen Wellenlängen. Da aber durch den Filter nur rotes Licht gelangt, verschiebt sich das effektive Absorptionsmaximum des Rezeptors in den roten Bereich. Damit können die Tiere auch Rot wahrnehmen.

Die weiblichen Tiere sind meist eher unscheinbar gefärbt. Foto: Daniel Zurek
Springspinnenweibchen

Der rote Farbfilter ist dabei nur in einem sehr kleinen Bereich aktiv, der keineswegs die gesamte Fläche der Netzhaut umfasst. Das könnte auch erklären, warum Springspinnen bei der intensiven Betrachtung eines Objekts ihr Auge hin und her bewegen. Um die volle Farbinformation eines Objekts zu erfassen, scannen sie es dabei wohl Zeile für Zeile ab, vermutet Daniel Zurek.

Die Wahrnehmung roter Farbtöne hilft den Tieren wohl bei der Partnerwahl, wenn die Männchen in Balztänzen um die Gunst der Weibchen buhlen. Entdeckt haben die Forscher die farbigen Filter mittlerweile bei fünf Spinnenarten der Gattung Habronattus – alles Spezies, bei der die Körperfarbe eine Rolle für das Paarungsverhalten spielt.

Farbige Filter, welche die Empfindlichkeit der Farbrezeptoren im Auge steigern oder verschieben, sind bereits unter anderem bei Vögeln bekannt. Bei Spinnen wurde ein solches Prinzip bislang jedoch noch nicht beobachtet. Die Entdeckung zeige, wie sich im Lauf der Evolution bei verschiedenen Stämmen unabhängig voneinander mehrmals dieselbe Lösung entwickelt habe, erklären die Wissenschaftler. (ud)