Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

28.04.2010

Starker Gegner in Rot

Die Erfolgsquote beim Elfmeter ist geringer, wenn der Torwart eine Signalfarbe trägt

Die deutschen Torhüter werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika in Rot auflaufen – eine gute Farbwahl, glaubt man nun veröffentlichten Testergebnissen britischer Sportpsychologen: Demnach ist die Erfolgsquote für Elfmeterschützen besonders gering, wenn der gegnerische Torwart eine Signalfarbe trägt. Das knallrote Trikot, das der nominierte Stammtorhüter René Adler in Afrika tragen wird, könnte damit für die deutsche Mannschaft zu einem merklichen Erfolgsfaktor werden.

Beim Elfmeter kommt es auf Sekundenbruchteile an. Rote Kleidung bringt für den Mann im Tor zumindest eine psychologische Stärkung. Foto: Lance Cheung, public domain
Foto: Lance Cheung, public domain

Die größte Zahl von Spielen, die meisten Treffer, die meisten Auswärtssiege, die häufigsten Ballkontakte: In keiner anderen Sportart wird so viel mit manchmal sinnvollen, häufig jedoch auch ziemlich unsinnigen Statistiken hantiert wie im Fußball. Auch die Farbe der Spielertrikots ist hin und wieder Gegenstand der Zahlenspiele: So hatten Forscher der Universität im britischen Durham bereits nach der Fußball-EM 2004 gezeigt, dass Mannschaften erfolgreicher spielten, wenn sie in roten statt in schwarzen Trikots aufliefen.

Rote Trikots also als Mittel der psychologischen Kampftaktik? Da scheint tatsächlich etwas dran zu sein, wie nun die neue Studie von Forschern der Universität in Chichester bestätigt. Die Wissenschaftler sammelten ihre Daten allerdings nicht auf dem Feld eines internationalen Wettkampfs, sondern in einem Experiment: Vierzig Torschützen hatten jeweils zwanzig Elfmeterschüsse zu absolvieren. Bei der Hälfte der Schüsse trug der Torwart ein schwarzes Trikot, in den anderen Fällen entweder ein gelbes, blaues, grünes oder rotes T-Shirt.

Vor den Schüssen fragten die Forscher die Schützen noch, mit welcher Erfolgsquote sie denn jeweils rechnen würden, dann ging es zur Tat. Am seltensten ging der Ball ins Tor, wenn der Torwart Rot trug, ergaben die Tests: Nur 54 Prozent der Schüsse waren für die Schützen erfolgreich, bei Gelb waren es 69 Prozent, bei Blau 72 und schließlich bei Grün 75 Prozent. Diese frappierenden Unterschiede traten unabhängig von den Erfolgsprognosen auf, die von den Schützen zuvor abgegeben worden waren.

Die Schützen assoziierten die Farbe Rot unbewusst mit Angst und Gefahr und zeigten daher eine schlechtere Leistung, erklärt der Sportpsychologe Iain Greenlees, der die Studie gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Eynon durchgeführt hat, das Phänomen. Die zweite mögliche Erklärung sei, dass sich die Torhüter in einem roten Trikot stärker fühlten und daher auch mehr Bälle hielten. Insgesamt gehe den Daten zufolge etwa jeder fünfte gehaltene Elfmeter auf das Konto eines roten Trikots, schätzt Greenlees. "Rote Kleidung kann einem Sportler oder einem Team einen kleinen, aber doch merklichen Vorteil bieten", fasst der Wissenschaftler zusammen. Der Effekt dürfte bei allen Sportarten auftreten, bei denen direkt gegen einen Gegner angetreten wird, unter anderem auch beim Boxen. (ud)