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16.02.2011

Täter: männlich, blaue Augen, schwarze Haare

Neuer DNA-Test hilft Forensikern beim Bestimmen von Haarfarben

Sherlock Holmes nimmt den am Tatort zurückgebliebenen verbeulten Hut in die Hand, betrachtet ihn kurz – und schon kann der Meisterdetektiv Details des Täters in geradezu unglaublicher Präzision bekannt geben. So funktioniert es im Kriminalroman. Die Realität freilich sieht sehr viel mühevoller aus, und statt egozentrischer Detektive sind es heute Forensiker in High-Tech-Labors, die nach Hinweisen zur Identität von Vermissten oder Tätern suchen – und das nicht mehr in Hüten, sondern in DNA-Spuren. Dank eines neuen DNA-Tests können sie Sherlock Holmes mittlerweile zumindest in einem Punkt das Wasser reichen: beim Bestimmen der Haarfarbe.

Bislang war die Haarfarbe des Täters ein Geheimnis, selbst wenn er DNA-Spuren am Tatort zurückgelassen hatte. Foto: DieAna, Photocase.com
Locken, Foto: DieAna, Photocase.com

Bis vor wenigen Jahren waren die Schlussfolgerungen zur äußerlichen Erscheinung, die sich aus dem Erbgut in am Tatort zurückgebliebenen Spuren ziehen ließen, äußerst spärlich. Lediglich die Augenfarbe konnten Forensiker mit einer einigermaßen hohen Trefferquote anhand von sechs genetischen Markern vorhersagen; sogar einen Schnelltest gibt es mittlerweile zu diesem Zweck, für den nicht mehr als sechs vollständige menschliche Zellen benötigt werden. Und auch bei der Haarfarbe gab es bereits erste Erfolge zu vermelden: Die Spezialisten konnten zumindest angeben, ob der Täter rote Haare hatte oder nicht. Was allerdings blond, braun, schwarz und alles dazwischen anging, tappten die Forensiker lange im Dunkeln.

Zumindest einen Schritt in die richtige Richtung hat nun ein niederländisch-polnisches Forscherteam geschafft. Die Wissenschaftler hatten das Erbgut von 345 Freiwilligen unter die Lupe genommen und sich bei der Analyse auf 12 Gene konzentriert, die bereits früher mit dem Entstehen der individuellen Haarfarbe in Verbindung gebracht worden waren. Insgesamt gab es 45 Varianten dieser 12 Gene, die sich meist jeweils nur durch einen Buchstaben im DNA-Code voneinander unterschieden. Parallel dazu teilten die Forscher ihre Probanden anhand ihrer Haarfarben einer von sieben Kategorien zu: blond, dunkelblond, braun, rotbraun beziehungsweise kastanienbraun, rotblond, rot und schwarz. Anschließend verglichen sie Erbgut und Haarfarbe.

Das Ergebnis: Bei 13 der 45 getesteten Varianten ergab sich für nahezu jede Haarfarbe ein so charakteristisches Muster, dass sich die entsprechende Tönung des Schopfes vorhersagen ließ. Die höchste Trefferquote erzielten die Forscher dabei – wenig überraschend – für die zuvor schon gut bestimmbaren roten Haare, bei denen sie in knapp 90 Prozent der Fälle richtig lagen. Auch bei Schwarz war das Ergebnis gut: Von 100 Schwarzhaarigen identifizierten die Wissenschaftler 78 korrekt, indem sie sich die Gene anschauten. Bei Braun lag die Quote bei 69 Prozent und bei Blond immerhin noch bei 61 Prozent.

In der Doppelhelix des Erbguts liegen noch viele Geheimnisse verborgen, die Wissenschaftler erst nach und nach aufdecken. Grafik: Zephyris, CC-Lizenz
Doppelhelix, Grafik: Zephyris, CC-Lizenz

Die geringeren Trefferquoten bei brünetten und blonden Haaren seien vermutlich damit zu erklären, dass die beiden Farben häufig ineinander übergingen. So kann jemand als Kind fast weißblonde Haare haben, mit der Zeit jedoch immer dunkler werden, sodass die Haare im Erwachsenenalter eher ein helles Braun oder ein sehr dunkles Blond zeigen – ohne dass sich dabei die genetische Ausstattung geändert habe, erläutern die Wissenschaftler. In Bezug auf die Tätersuche oder bei der Identifizierung von Überresten Verstorbener seien die Werte trotzdem hilfreich, betonen sie: In den meisten Fällen, in denen die Vorhersage nicht korrekt war, lag sie nur knapp daneben – statt dunkelblond ergab sie beispielsweise rotblond oder rotbraun, sodass sie immer noch Hinweise auf das Aussehen der betreffenden Person lieferte.

Das Team ist sicher, dass seine Ergebnisse schon bald in der Praxis Anwendung finden dürften – auch wenn natürlich noch einiges an Feintuning nötig sei. Verbesserungsbedarf besteht beispielsweise bei der Empfindlichkeit der Methode. Im Moment benötigt man eine Sperma-, Haut- oder Blutprobe, um ausreichend DNA-Material zu erhalten. Ob auch die geringeren Spuren, die etwa beim Anfassen einer Türklinke entstehen, ausreichen, soll als nächstes getestet werden. Auch das Thema graue Haare steht auf der Agenda. Dazu müssten die Wissenschaftler allerdings einen Zusatztest entwickeln, denn ob oder wann Haare ihre Farbe verlieren, wird von anderen Genen bestimmt. Mit einer 100-prozentigen Sicherheit wird man die Haarfarbe eines Täters jedoch nie vorhersagen können – schließlich steht es nicht in den Genen, ob er sich die Haare gefärbt hat oder nicht.