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04.05.2005

UV statt Rot: Wie Honigbienen Farben sehen

Wissenschaftler haben für die Insekten sogar eigene Bezeichnungen für Farben geprägt

Bienen sehen die Welt anders. Sie kennen kein Rot, Weiß ist für sie etwas ganz anderes als für Menschen, und sie sehen farbige Muster, wo der Mensch nur eine einheitliche Farbe wahrnimmt. Ihr Farbensehen ist so faszinierend anders, dass Wissenschaftler für Bienen eigene Farbbezeichnungen geprägt haben: Vom "Bienenweiß" über das "Bienenpurpur" bis hin zum "Bienenschwarz" reicht die Farbwelt dieser unter allen Insekten am besten erforschten Tiere.

Bienen sind von allen Insekten am besten erforscht. So wurde bereits vor vielen Jahrzehnten erkannt, welche Farben sie erkennen können. Foto: Jim Kalisch, UNL Entomology
Biene, Foto: Jim Kalisch, UNL Entomology
Ein Blumenwiese im Frühling sieht für eine Biene völlig anders aus als für einen Menschen.
Blumenwiese

Die Erforschungsgeschichte des Farbsehens der Bienen reicht fast hundert Jahre zurück: Bereits 1914 konnte Karl von Frisch mit seinen klassischen Dressurexperimenten nachweisen, dass Bienen Farben sehen und sie auch voneinander unterscheiden können. Der Bereich des für sie sichtbaren Spektrums ist im Vergleich zum Menschen allerdings um rund 150 Nanometer in Richtung des kurzwelligen UV-Lichts verschoben.

Die Absorptionsmaxima der drei unterschiedlichen Farbrezeptoren im menschlichen Auge liegen mit 440 Nanometern beim Blau, mit 530 Nanometern im Grün-Bereich und mit 570 Nanometern beim Gelb. Die Empfindlichkeit des letzteren, für langwelligeres Licht zuständigen Zapfens reicht dabei bis in den Rotbereich, weshalb er auch als Rotzapfen bezeichnet wird.

Auch in den Komplexaugen der Honigbiene finden sich drei verschiedene Rezeptortypen. Deren maximalen Empfindlichkeiten liegen jedoch mit 350 Nanometern bereits im UV-Bereich des Spektrums, mit 450 Nanometern beim Blau und 530 Nanometern beim Grün. Die Biene nimmt also UV-Licht wahr, dafür aber kein Rot – diese Wellenlängen erscheinen ihnen wie Schwarz.

Bienen sehen die bunte Farbenpracht der Blüten also gänzlich anders als Menschen. Aus diesem Grund sprechen Wissenschaftler sogar von Bienenfarben, wenn sie das Farbsehen der Biene beschreiben. Weiß etwa nimmt der Mensch wahr, wenn alle drei Zapfentypen – Blau, Grün und Rot – maximal erregt sind. Bei der Honigbiene entsteht der entsprechende Farbeindruck Bienenweiß dagegen durch die gleichmäßige starke Erregung der UV-, Blau- und Grün-Zapfen. Bienenpurpur bezeichnet einen Farbeindruck, der für das menschliche Auge gelblich erscheint. Viele Blüten, die dem Menschen rot erscheinen, sind für die Insekten Bienenschwarz, da sie das Rot nicht wahrnehmen können. Einzig das Bienenblau entspricht in etwa der menschlichen Blauwahrnehmung.

Für die Bestäubung haben diejenigen Pflanzen einen Vorteil, deren Blüten den Bienen besonders auffallen. Viele Blüten profitieren dabei auch von der Fähigkeit der Insekten, Licht aus dem ultravioletten Bereich des Spektrums wahrnehmen zu können. Dieses jedoch bleibt dem menschlichen Auge völlig verborgen. Auffällig sind für die Bienen etwa stark UV-absorbierende Blüten vor einem Blattgrün, das viel UV-Licht reflektiert. Auf diese Weise heben sich etwa die Blüten von Schneeglöckchen und Gänseblümchen deutlich vom Hintergrund ab.

Dem Menschen erscheinen viele Blüten relativ unscheinbar, die für eine Biene dagegen deutliche Zeichnungen aufweisen. Diese UV-Muster sind für die Pollen- und Nektarsammler klare Signale und dienen ihnen zur Nahorientierung unmittelbar vor der Landung auf der Blüte. So kennzeichnen etwa die Blüten von Veilchen oder Taubnessel den optimalen Landeplatz, damit die Biene auch leicht die richtige Position zum Eindringen in die schmale Blütenöffnung findet.