Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

12.03.2008

Vom Schädling zum schillernden Schmuckstück

Käfer haben mit ihrer Farbenvielfalt von jeher die Menschen fasziniert

Mit seinem leuchtenden Rot und den weißen Punkten gilt der Marienkäfer in Deutschland als Glückbringer, als heilig verehrten die alten Ägypter den schwarzen Pillendreher, und in manchen Kulturen wurden tote Käfer gar als schillernde Schmuckstücke getragen: Die Farbenvielfalt der Käfer fasziniert die Menschen von jeher. Hinter dieser Fülle an Farbtönen und Leuchteffekten stehen nicht nur Farbstoffe, sondern gleich mehrere physikalischer Effekte.

Foto: Udo Schmidt

Käfer sind die artenreichste Ordnung im Tierreich. In manchen von ihnen tritt eine große Farbenvielfalt zutage, wie hier bei diesem in Südamerika beheimateten Exemplar aus der Familie der Blatthornkäfer. Foto: Udo Schmidt, www.kaefer-der-welt.de

Foto: öda, PhotoCase.com

Schillereffekte wie hier beim Seidigen Rohrkäfer kommen durch Lichtbrechungseffekte zustande. Sie können nach Meinung mancher Forschern verhindern, dass potenzielle Fressfeinde den Käfer erkennen. Foto: Udo Schmidt, www.kaefer-der-welt.de

 

Auf die Frage, welche Schlüsse man aus der Schöpfung über Gott ziehen könne, antwortete der Biologe und Genetiker John Burdon Sanderson Haldane: "Eine übermäßige Vorliebe für Käfer." Damit brachte er sein Staunen darüber zum Ausdruck, dass Käfer die artenreichste Ordnung im Tierreich sind. Sie machen 25 Prozent der bekannten Tierarten aus und sind an die verschiedensten Lebensräume angepasst. In ihrem Farbenreichtum können sie es mit den Schmetterlingen aufnehmen.

Dabei sind dezentes Schwarz oder Dunkelbraun die häufigsten Käferfarben. Sie tarnen ihren Träger hervorragend auf Erdböden, Rinde und Geäst. Die dunkle Farbe entsteht durch das Protein Sklerotin, das für die Härte des Panzers der Tiere sorgt. Sind die Käfer schwarz, steckt in ihrer harten Hülle meist noch das Pigment Melanin, das im Tierreich auch vielen Federn und Fellen ihre schwarze bis braune Farbe verleiht. Es kommt ebenfalls in der menschlichen Haut vor und schützt vor Sonneneinstrahlung.

In anderen Lebensräumen sind kräftigere Farben gefragt. So ist der Grüne Schildkäfer, der auf Blättern lebt und sich von diesen ernährt, komplett grün und hebt sich dadurch vom Untergrund kaum noch ab. Doch so bescheiden müssen nicht alle Käfer auftreten. Einige Arten verfügen über wirkungsvolle Verteidigungsmittel und zeigen dies mit leuchtenden Farben potenziellen Fressfeinden – damit diese gleich auf den ersten Blick von ihnen als Beute absehen.

Andere Käfer benutzen ihre Farbe, um zu schummeln: So tarnt sich der harmlose Wespenbock mit seinen gelb-schwarzen Flügeldecken und den langen Fühlern als gefährliche Wespe. Wohingegen der in Deutschland beliebte Siebenpunkt Marienkäfer tatsächlich für die meisten Tiere ungenießbar ist, was er mit einem starken Rot signalisiert. Seine Farbe kommt zum einen durch den Stoff Lycopin zustande, der auch Tomaten rot färbt, zum anderen durch Carotinoide, von denen das Beta-Carotin, das Karotten ihre orange Farbe verleiht, am Besten bekannt ist. Carotinoide sorgen darüber hinaus im Tier- und Pflanzenreich für ein kräftiges Rot, Purpur oder auch Gelb.

Doch Käfer verwenden nicht nur Farbpigmente, die einen bestimmten Anteil des Lichts schlucken und einen anderen reflektieren. Feinste Oberflächenstrukturen wie verschiedene Schichten im Panzer, Härchen oder Schuppen auf ihrem Körper sorgen für ein metallisches Leuchten oder ein Schillern in allen Regenbogenfarben. Bei solchen Strukturfarben überlagern sich das einfallende und das reflektierte Sonnenlicht. Je nach Einfallswinkel des Lichtes entstehen dadurch andere Farben.

Ein Beispiel für solch schillernde Glanzeffekte sind die Deckflügel des Schwertlilien-Schilfkäfers, der auch Seidiger Rohrkäfer (Plateumaris sericea) genannt wird. Deren Oberfläche besteht aus fünf verschiedenen hauchdünnen, transparenten Schichten, die das Licht unterschiedlich stark brechen: Drei Schichten lenken das Licht sehr stark ab, die dazwischen liegenden, etwas dickeren Schichten nur gering. Der Effekt: Das Licht wird wie bei einem Prisma in viele verschiedene Wellenlängen aufgeteilt. Der Käfer schimmert von schwarzblau bis rot.

Ein anderes beeindruckendes Beispiel ist der australische Rüsselkäfer Pachyrhynchus argus, dessen mikroskopisch kleine Schuppen wie ein Kristall wirken. Sie bestehen aus zwei Schichten, wobei die innere Schicht aus winzigen sechskantigen Teilchen besteht, die wie ein dreidimensionales Beugungsgitter wirken. An ihnen werden die Lichtstrahlen abgelenkt. Dadurch überlagern sie sich mit dem einfallenden Licht. Das so erzeugte Farbenspiel ähnelt dem eines Opals. Lassen die Schuppen das Licht durch, erscheint der Käfer violett, reflektieren sie das Licht, scheint er gelb-grünlich.

Welche biologische Bedeutung das Schillern der Käfer hat, ist noch nicht sicher bekannt. Fest steht jedoch, dass es die Käfer für den Menschen attraktiv macht. Da die Strukturfarben, beziehungsweise die Interferenz, im Gegensatz zu Farbpigmenten auch noch erhalten bleiben, wenn der Käfer gestorben ist, haben Menschen schon früh Käfer als Schmuckstück entdeckt. Sie wurden als Amulett getragen oder ähnlich wie Pailletten auf Kleidungsstücke genäht.

Der bekannteste in Schmuckform vorkommende Käfer ist hingegen in natura unscheinbar und schwarz: der Skarabäus oder Heilige Pillendreher. Er gehört zu den Mistkäfern und wurde im alten Ägypten als Symbol der Schöpferkraft verehrt. Er galt als Abbild des Gottes der Morgensonne Chepri, der eine der drei Gestalten des Sonnengottes Re war. Die Parallele zwischen Gott und Käfer zeigte sich vor allem in seinem Verhalten: So wie der Gott die Sonne nach der Nacht aus der Unterwelt wieder zum östlichen Horizont herausschiebt, so rollt der Käfer seine Mistkugel vor sich her. Der Käfer selbst wurde seltener zu Schmuck verarbeitet. Aber sein Abbild wurde in Stein geschnitten und war als Amulett als Zeichen für Auferstehung und Leben sehr beliebt. (ab)