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09.05.2012

Von Greenhorns, Grünschnäbeln und grünen Ohren

Warum die Farbe Grün mit Unerfahrenheit verbunden wird

"Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet?" So beginnt Karl Mays "Winnetou", gefolgt von einer langen Aufzählung, wodurch sich ein Greenhorn auszeichnet: Von der Unfähigkeit, ein Gewehr zu führen und ein Lagerfeuer zu entzünden, ist da die Rede, davon, dass ein Greenhorn sich Holzkohle als Schießpulver verkaufen lässt und sein Bowiemesser so ungeschickt in den Gürtel steckt, dass es ihm beim nächsten Bücken in den Schenkel sticht. "Ein Greenhorn ist eben ein Greenhorn und ein solches Greenhorn war damals auch ich", lässt Karl May seine Leser schließlich wissen. Doch die Antwort, warum ein Greenhorn ausgerechnet mit der Farbe Grün in Verbindung steht, bleibt er seinen Lesern schuldig.

Von wegen Grünschnabel: Jungvögel fallen vor allem durch ihre gelben Schnäbel auf. Foto: pixelhans, Photocase.com
Gelbschnäbel, Foto: pixelhans, Photocase.com

Die im Wort "Greenhorn" hergestellte Assoziation der Farbe Grün mit einem unerfahrenen Tölpel ist nicht die einzige ihrer Art: Sie taucht ebenfalls auf im Wort "Grünschnabel", mit der "Greenhorn" ja auch häufig übersetzt wird, und zudem im Ausspruch: "Jemand ist noch grün hinter den Ohren", mit dem junge, unerfahrene Menschen manchmal bedacht werden. Doch woher kommt die Verbindung zwischen der Farbe Grün und der Unbeholfenheit und Unerfahrenheit?

Die Erklärung findet sich im Pflanzenreich: Bei Pflanzen bedeutet Grün oft Unreife, denkt man etwa an ein grünes Getreidefeld, einen grünen Apfel oder an eine grüne Banane. Wer also ein "Greenhorn" und "noch grün hinter den Ohren" ist, dem mangelt es an der nötigen Reife. Unklar ist dabei jedoch, warum sich das Grün hier hinter den Ohren befinden soll – wahrscheinlich eine Verbindung zu der in genau demselben Zusammenhang gebrauchten Redensart "jemand ist noch nicht trocken hinter den Ohren", die sich darauf bezieht, dass Babys feucht auf die Welt kommen.

Mit etwas Fantasie kann man den grünlichen Schimmer um die Schnabelwurzel erkennen, der dem Grünschnabel zu seinem Namen verholfen hat. Foto: jbkfotos, Photocase.com
Küken, Foto:  jbkfotos, Photocase.com

Schwieriger zu klären ist dagegen die Herkunft des Begriffs "Grünschnabel": Wer sich nämlich in der Vogelwelt umsieht, muss feststellen, dass junge Vögel meist keine grünen, sondern fast immer gelbe Schnäbel haben, mit denen sie ihren Eltern signalisieren, wo das Futter abzuliefern ist. Grün gefärbt ist bei manchen Jungvögeln allenfalls die Region um die Schnabelwurzel.

Und in der Tat taucht in alten Quellen der "Gelbschnabel" mindestens ebenso häufig auf wie der "Grünschnabel". So lässt Goethe seinen Mephisto sagen: "Wenn man der Jugend reine Wahrheit sagt, die gelben Schnäbeln keineswegs behagt." Und bereits 1668 schrieb Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinem Schelmenroman "Simplicissimus" den Satz: "So werde ich als noch junger Gehl-Schnabel gewiß auch nicht viel gelten und sagen dürfen."

Nachdem der Grün- und der Gelbschnabel also über Jahrhunderte hinweg nebeneinander durch die Sprachwelt gestolpert waren, verschwand der gelbe Schnabel schließlich aus dem aktiven Sprachschatz der Deutschen. Vielleicht war es ja Karl May mit seinem in seinen Romanen massenhaft verbreiteten "Greenhorn", der einen Beitrag dazu geleistet hat. (ud)